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(Quelle: picture alliance / dpa)

Mehr Flexibilität für Eltern

Marcus Weinberg über „Elterngeld Plus" und Partnerschaftsbonus - Teilzeitarbeit wird erleichtert

Das Elterngeld, das 2007 eingeführt wurde, erleichtert es jungen Familien, nach der Geburt ihres Kindes eine Auszeit vom Beruf zu nehmen. Da die Familienleistung auf großen Zuspruch stößt und zunehmend auch von Vätern in Anspruch genommen wird, hat die Koalition sie nun weiterentwickelt zu einem „Elterngeld Plus“. „Fraktion direkt“ sprach mit dem familienpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Marcus Weinberg, über die Neuerungen.

Frage: Herr Weinberg, was ist die wichtigste Ergänzung beim Elterngeld?

Weinberg: Seit Einführung des Elterngeldes haben sich die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern weiter verändert. Heute würde mehr als die Hälfte der Mütter kleiner Kinder gerne vor Ablauf der Zeit, in der sie Elterngeld beziehen, wieder in den Beruf einsteigen. Und junge Väter würden gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und dafür ihre Arbeitszeit reduzieren.

Daher wollen wir die Kombination von Teilzeitarbeit und Elterngeldbezug attraktiver gestalten. Eltern, die während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten, verlieren heute einen Teil ihres Anspruchs. Die Höhe des Elterngeldes richtet sich in diesem Fall nicht nach der Höhe des Einkommens vor der Geburt, sondern nach dem Differenzbetrag zwischen dem aktuellen Teilzeiteinkommen und dem Einkommen vor der Geburt. Auch wenn auf diese Weise der volle Elterngeldbetrag im Monat nicht ausgeschöpft wird, wird ein ganzer Elterngeldmonat angerechnet. Künftig - also beim sogenannten Elterngeld Plus - wird es möglich sein, die Leistung doppelt so lange in Anspruch zu nehmen. Der Betrag - ausgehend von der ursprünglichen Höhe - wird dann aber pro Monat höchstens halb so hoch sein wie das volle Elterngeld. So können Eltern das Minus ausgleichen, das ihnen bei der derzeitigen Regelung entsteht.

 

Frage: Neben der Besserstellung der Teilzeitbeschäftigten wird es auch einen sogenannten Partnerschaftsbonus geben. Was verbirgt sich dahinter?

Weinberg: Rund 60 Prozent der jungen Eltern wünschen sich, dass beide Partner in gleichem Umfang erwerbstätig sind und sich gleichermaßen um Haushalt und Familie kümmern. Damit Eltern schon in dieser frühen Familienphase in eine partnerschaftliche Aufgabenteilung hineinwachsen können, wird es den Partnerschaftsbonus geben: Wenn sich Vater und Mutter die Betreuung ihres Kindes teilen und parallel für mindestens vier Monate ihre Arbeitszeit auf 25 bis 30 Wochenstunden reduzieren, erhalten sie einen Bonus von zusätzlich je vier Monaten Elterngeld Plus.

 

Frage: Bislang können von den 36Monaten Elternzeit zwölf Monate zwischen dem dritten und vollendeten achten Lebensjahr genommen werden. Warum soll diese Bestimmung auf 24 Monate ausgedehnt werden?

Weinberg: Wir gestalten die Elternzeit flexibler. Eltern können so leichter den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht werden, indem sie nochmals eine Auszeit aus dem Beruf nehmen, wenn ihr Kind, z.B. bei der Einschulung, intensiver betreut werden muss.

 

Frage: Bringt das nicht unter Umständen den Arbeitgeber in Schwierigkeiten?

Weinberg: Nein, denn die Arbeitgeber erhalten Planungssicherheit: Die Anmeldefrist für die Elternzeit - voll oder in Teilzeit - zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes wird auf 13 Wochen ausgeweitet. Die Unternehmen bekommen so mehr Zeit, eine Ersatzkraft einzustellen. Und dadurch, dass nun 24 statt zwölf Monate Elternzeit später genommen werden können, wird nach der Geburt der frühere Wiedereinstieg ins Berufsleben begünstigt, wovon Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels ebenfalls profitieren.

 

Frage: Wie finanziert die Koalition die Mehrkosten?

Weinberg: Die Mehrkosten von ca. 95 Millionen Euro jährlich, die im Zuge der Neuerungen entstehen, werden durch die gesetzliche Klarstellung hinsichtlich der Elterngeldansprüche bei Mehrlingsgeburten ausgeglichen. Wie ursprünglich vom Gesetzgeber beabsichtigt, erhalten Eltern von Mehrlingen nur noch den Anspruch auf einfaches Elterngeld zuzüglich des Mehrlingsaufschlags von 300 Euro pro Geschwisterkind.