Michael Brand trifft den Dalai Lama

Text und Interview


(Quelle: Tenzin Choejor/Office Dalai Lama)
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"Die Welt darf Tibet nicht vergessen!"

3 Fragen, 3 Antworten an Michael Brand

Heute vor 60 Jahren musste der Dalai Lama, geistliches Oberhaupt der Tibeter und Friedensnobelpreisträger, aus Tibet ins benachbarte Indien flüchten. Am 10. März 1959 erhoben sich die Tibeter gegen die chinesische Besatzung. Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen, über 85.000 Tibeter kamen ums Leben. Zum 60. Jahrestag des Tibet-Volksaufstands sprach der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand, in Dharamsala auf Einladung des Dalai Lama und der tibetischen Exilregierung bei der Gedenkveranstaltung  im nordindischen Exil. Dazu drei Fragen an Michael Brand:
 

60 Jahre Besatzung und Unterdrückung, ein Autonomiestatus nur auf dem Papier - kann man sagen, die Welt hat Tibet vergessen?

Die Welt darf sich nicht an die brutale Unterdrückung in Tibet gewöhnen - das wäre Verrat an unseren Werten und würde in Peking Geschmack auf noch mehr machen. In Tibet begann die systematische Repression und hat sich in China inzwischen mit High-Tech-Überwachung wie ein Krebsgeschwür gegen die Minderheit der Uiguren ausbreitet. In Tibet droht die Auslöschung einer einzigartigen Kultur und der friedliche Widerstand verdient schon länger mehr Unterstützung.  Auch Deutschland ist hier mehr gefordert. Als starke Wirtschaftsnation haben wir mehr Möglichkeiten, auch mehr Verantwortung. Wir dürfen uns nicht größer, aber auch nicht kleiner machen als wir sind.

Was fordern Sie konkret von China?

Die legitimen Rechte der Tibeter müssen endlich anerkannt werden, der notwendige Dialog mit den legitimen Vertretern des tibetischen Volkes darf nicht länger blockiert werden! China, muss begreifen, was die Welt schon lange sieht: Der Protest der Tibeter, ihre brutale Unterdrückung, die Verzweiflung der Menschen, die weltweit registrierten Aufschreie der Mönche – das sind Fanale, die man nicht übersehen und auch nicht unterdrücken kann. Peking geht es schon lange nicht mehr allein um ökonomische oder militärische Dominanz. Immer aggressiver wird das freiheitliche System des Westens herausgefordert. Naivität wäre hier gefährlich.

Wie ist Ihr Gespräch mit dem Dalai Lama verlaufen? Wie hat er auf Sie gewirkt?

Dialog, Ausgleich und gegenseitiger Respekt – das war die Botschaft dieses außergewöhnlichen Menschen. Und die feste Überzeugung, dass sich letztlich die Freiheit durchsetzt. In jeder Hinsicht macht er einen fast jugendlichen Eindruck. Seine Weisheit beeindruckt, seine kindliche Fröhlichkeit ist einfach ansteckend. Wir haben auch aus vollem Herzen gelacht.