Text und Interview


(Quelle: CDU/CSU-Bundestagsfraktion)
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Die Kraft der Hoffnung und der Freiheit

Michael Grosse-Brömer auf Arbeitsbesuch in Südkorea

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer ist unterwegs in Südkorea. Auf der Tagesordnung auch dabei die Folgen für VW nach der Abgasaffäre sowie die schwierige Situation mit Nordkorea.

Der Empfang zum Tag der deutschen Einheit ist in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul stets ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Schließlich hoffen viele Koreaner, dass sie ein ähnliches Fest auch einmal in den diplomatischen Vertretungen ihres eigenen, noch immer geteilten Landes werden feiern können. Rund tausend Gäste kamen am vergangenen Freitagabend in die Residenz des deutschen Botschafters in Seoul, um dort den 3. Oktober nachzufeiern. Diesmal waren auch zwei besonders prominente Gäste unter den Besuchern: Südkoreas Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Joo Hyunghwan, und der 1. Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Michael Grosse-Brömer. Bevor beide mit kurzen Reden den Empfang eröffneten, zogen sie sich in einem Nebenraum zu einem Gespräch zurück, in dem sie die guten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern würdigten.

Grosse-Brömer nutzte die Gelegenheit aber auch, um ein etwas heikleres Thema anzusprechen. Er bat den koreanischen Wirtschaftsminister darum, sich dafür einzusetzen, dass die VW-Abgasaffäre nach koreanischem Recht und nicht nach amerikanischen Maßstäben behandelt wird. Aufgrund der hohen Entschädigungszahlungen in den USA ist in Teilen der südkoreanischen Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, dass VW-Kunden in dem asiatischen Land mit ähnlichen Zahlungen rechnen können. Auch wenn Entschädigungen wie in den USA im koreanischen Rechtssystem nicht vorgesehen sind, hat die Regierung bisher wenig getan, um die entsprechenden Erwartungen in der Öffentlichkeit zu dämpfen. Mit der Bemerkung, dass ganz Niedersachsen schwer krank sei, „wenn VW Schnupfen hat“, machte Grosse-Brömer seinen Gesprächspartner auf die besondere Bedeutung des Unternehmens aufmerksam. Joo Hyunghwan antwortete, er selbst sei mit dem Thema zwar nicht federführend befasst, werde die Bitte Grosse-Brömers aber an seine zuständigen Kabinettskollegen weiterleiten. 

Für den Parlamentarischen Geschäftsführer war es nicht der erste Gesprächstermin mit einem wichtigen koreanischen Kabinettsmitglied. Bereits am Nachmittag war er vom Vereinigungsminister Hong Yong-Pyo empfangen worden. Der ehemalige Politik-Professor bezeichnete die Probleme der Deutschen bei der Vereinigung als „glückliche Sorgen“, die man selbst gerne hätte. Grosse-Brömer versicherte seinem Gastgeber, dass er den Koreanern von Herzen eine Wiedervereinigung wünsche. „Die deutsche Erfahrung zeigt, dass Träume wahr werden können.“ Auch wenn er natürlich wisse, dass sich nach den provokativen und völkerrechtswidrigen Atomtests von Nordkorea die Lage auf der Halbinsel als äußerst schwierig darstelle, dürfe man die Hoffnung auf positive Veränderungen nie aufgeben.
Diese Aussage stand auch im Mittelpunkt der Ansprache, mit der Grosse-Brömer den Empfang in der Botschaft eröffnete. Er zitierte Horst Teltschik, den früheren außenpolitischen Berater Helmut Kohls, mit dem Satz: „Wer nicht an das Unmögliche glaubt, ist kein Realist.“ Seine Zuhörer erinnerte Grosse-Brömer daran, dass in Deutschland sowohl die Kanzlerin als auch der Bundespräsident aus der ehemaligen DDR stammten. Vielleicht werde eines Tages ja auch ein vereintes Korea von demokratisch gewählten Politikern geführt, die aus dem ehemaligen Nordkorea stammten.

Am Tag darauf konnte sich Grosse-Brömer bei einem Besuch an der Grenze zwischen beiden Ländern selbst ein Bild davon machen, wie schwierig die Situation dort ist. Der Besuch weckte Erinnerungen an die innerdeutsche Grenze bis 1989, wenngleich die Lage an der Trennlinie zwischen Süd- und Nordkorea noch angespannter ist. Unter den Augen nordkoreanischer Soldaten auf der anderen Seite besichtigten Grosse-Brömer und seine kleine Delegation bei Panmunjeom die berühmten blauen Baracken, die genau auf der Grenze stehen. US-Offiziere und Vertreter der neutralen Überwachungskommission, die von Militärs aus der Schweiz und Schweden geführt wird, informierten ihn umfassend über die Situation in der „Demilitarisierten Zone“ zwischen beiden Koreas. „Rückschläge sind nie angenehm“, sagte Grosse-Brömer zum Abschluss seines Besuches an der hermetisch abgeriegelten Grenze und spielte damit auch auf den jüngsten und erst wenige Wochen zurückliegenden Atomtest Nordkoreas an. „Doch ich bin sicher, dass sich die Kraft der Freiheit eines Tages auch in dieser menschenverachtenden Diktatur durchsetzen wird.“