Text und Interview


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Christliche Grundwerte vermitteln

- Franz Josef Jung über Religionsfreiheit und Islam -

In Deutschland ist eine Debatte über die Stellung des Islam in der Gesellschaft entbrannt. Dem liegt zu Grunde, dass die meisten der Flüchtlinge, die seit dem vergangenen Sommer zu uns gekommen sind, muslimischen Glaubens sind. Dazu Franz Josef Jung, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Beauftragter für Kirchen und Religionsgemeinschaften, in unseren drei Fragen – drei Antworten.

Herr Jung, die Religionsfreiheit in Deutschland wird vom Grundgesetz garantiert. Das gilt selbstverständlich auch für den Islam. Wo also liegt das Problem?

Jung: Deutschland wird in religiöser Hinsicht vielfältiger – das bestätigt der Migrationsbericht der deutschen Stiftungen. Dazu gehört, dass inzwischen mehr als vier Millionen Muslime in Deutschland leben. Rund 1,8 Millionen von ihnen sind deutsche Staatsbürger. Klar ist: Deutschland bleibt seinen christlichen Werten verbunden. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass die Muslime, die mit uns in Frieden und Freiheit leben, ihre Religion auf der Basis unseres Grundgesetzes ausüben. Problematisch scheint, dass es hierzulande islamische Verbände gibt, die auf unterschiedliche Weise von ihren Ursprungsländern abhängig sind – nicht zuletzt finanziell. Diese Abhängigkeit mag zum diffusen Bild über Muslime in Deutschland beigetragen haben. So sind die Sorgen und Ängste in der Bevölkerung angesichts der neu ankommenden Flüchtlinge vielleicht erklärbar. Selbstverständlich führt auch der fundamentalistische Islam zu Ängsten in der Bevölkerung.

Keine Sonderstellung für Muslime

Der Islam hat verschiedene Ausprägungen. Wie kann man die Muslime unterstützen, die die freiheitlichen Werte teilen?

Jung: Wir müssen denen eine stärkere Stimme geben, die Deutschland zu ihrer Heimat gemacht haben, die sich mit Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft und Offenheit einbringen und ihren Glauben im Einklang mit unserem Grundgesetz leben.
Auch sollte man vertieft darüber nachdenken, die muslimischen Gemeinden in das deutsche Religionsverfassungsrecht einzugliedern und damit die Sonderstellung des muslimischen Glaubens zu beenden. Parallelstrukturen durch „Staatsverträge“ in den Bundesländern oder Sonderrechte für Muslime erschweren die Diskussion und auch die gesellschaftliche Anerkennung der Muslime.
Zudem würde ich es begrüßen, wenn die Gemeinden mehr auf Imame vertrauten, die an deutschen Hochschulen ausgebildet wurden. Dies gilt auch für die Bundesländer, die Lehrer für den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht einstellen.

Sakuläre Ordnung akzeptieren

Mit welchen Maßnahmen kann man eine reibungslose Integration der jüngst zugereisten Muslime in unsere Gesellschaft befördern?

Jung: Vor allem müssen wir unsere Grundwerte, die auf der Basis des christlichen Menschenbildes beruhen, vermitteln. Hier ist die gesamte Gesellschaft gefordert. Nur wenn wir uns mutiger auf unsere Wurzeln besinnen und sie selbstbewusster vertreten, können wir denjenigen, die zu uns kommen, unsere Grundwerte vermitteln - egal welcher Religion sie angehören oder ob sie überhaupt religiös sind.
Wichtig ist außerdem: Wir erwarten von den Muslimen, dass sie unsere säkulare Ordnung, also die Trennung zwischen Staat und Kirchen bzw. Religion und die Neutralität des Staates, anerkennen.