Volker Kauder mit Journalisten vor dem Anschlagsort in Kairo

Pressemitteilung


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Zusammenarbeit mit Ägypten gerade jetzt intensivieren

Ermutigende Signale in Kairo

Nach dem blutigen Attentat auf eine koptische Kirche vor einer Woche in Kairo hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, am Samstag die ägyptische Hauptstadt besucht. Nach seinen Gesprächen zog er folgendes Fazit:

"Nach dem blutigen und sinnlosen Terroranschlag auf die koptischen Christen sollten Deutschland und Ägypten gerade jetzt darangehen, die bilaterale Zusammenarbeit auszubauen. Deutschland muss seinen Teil dazu beitragen, Ägypten weiter zu stabilisieren. Das ist auch in unserem ureigenen Interesse.

Von einer weiteren Stabilisierung würden in Ägypten nicht zuletzt die Christen profitieren. Es ist eine bittere Erfahrung, dass Minderheiten immer als erste bedrängt werden, wenn die Lage in einem Land unsicher wird. Ägypten ist darüber hinaus in Nordafrika und der Region des Nahen Ostens ein Schlüsselstaat für Deutschland und Europa.

Natürlich müssen wir mit der Regierung in Kairo weiter über demokratische oder rechtsstaatliche Defizite in Ägypten diskutieren. Man darf aber nie vergessen: Ägypten beherbergt drei bis vier Millionen Flüchtlinge. In seiner derzeitigen Verfassung wäre Europa kaum in der Lage, davon auch nur einen Bruchteil aufzunehmen. Ägypten kooperiert mit Europa auch bei der Bekämpfung der Schleuserkriminalität. Zudem leistet Ägypten seinen Beitrag zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus und schützt damit Bürgerinnen und Bürger in Europa. Es wäre nicht auszudenken, wenn Ägypten ein ähnliches Schicksal wie Libyen oder Syrien erleiden würde.

Nach meinen politischen Gesprächen in Kairo reise ich auch mit der Gewissheit nach Hause, dass die politischen und religiösen Führungspersönlichkeiten in Ägypten eine Ausgrenzung der Christen mit allen Mitteln verhindern wollen. Präsident Al-Sisi und auch die oberste geistliche Autorität der Sunniten, Großscheich Al-Tajib, haben sich eindeutig dazu bekannt, dass Ägypten ein Land bleiben soll, in dem alle Religionen ihren Platz haben. Sie betrachten das Attentat als einen Anschlag auf alle Ägypter. Ich bin dankbar für die Feststellung des Großscheichs, wonach er den Islam als eine Religion des Friedens sieht. Alle Religionen sollten nach seiner Überzeugung auch in muslimisch geprägten Ländern einträchtig zusammenleben.

Diese Feststellung war für mich so wichtig, weil ich vor allem deshalb nach Kairo gereist bin, um den koptischen Christen angesichts des Anschlags unsere Anteilnahme und Solidarität auszudrücken. Unsere Trauer habe ich gegenüber dem koptischen Papst Tawardos II. zum Ausdruck gebracht. Ich habe mich gefreut zu hören, dass der Papst das Verhältnis zwischen den verschiedenen Religionsgruppen generell als gut bezeichnet. Das Attentat sei von daher untypisch für das Land, sagte er mir. Es gebe aber einige Gegenden, in denen sich der Extremismus ausbreite. Insgesamt hat sich nach Ansicht des Papstes die Lage für die Kopten in Ägypten in den vergangenen Jahren verbessert. So gebe es jetzt mehr koptische Abgeordnete im Parlament als je zuvor.

Mit Präsident Al-Sisi war ich mir einig, dass die bilaterale Zusammenarbeit auf vielen Gebieten verstärkt werden kann. Deutschland sollte Ägypten unter anderem helfen, das Bildungssystem zu verbessern. Ägyptens Bevölkerung wächst rasant - jedes Jahr um bis zu 2,5 Millionen Menschen. Den jüngeren Generationen muss eine Perspektive geboten werden. Auch die Landwirtschaft könnte modernisiert werden.

Das Attentat auf die Kopten in Kairo hat uns noch einmal die dramatische Situation hinsichtlich der Glaubensfreiheit in aller Welt verdeutlicht. Es sollte alle Christen veranlassen, an Weihnachten für die Glaubensschwestern und -brüder zu beten, die im Orient, aber auch anderswo auf der Welt verfolgt werden. Wir dürfen allerdings auch alle anderen religiös Verfolgten nicht vergessen. Dabei erinnere ich an die Jesiden im Nordirak, die Schreckliches erlebt haben, und an die Muslime, die zum Beispiel in Syrien Opfer andersdenkender Muslimen geworden sind.

Das blutige Attentat auf die koptischen Christen in Kairo steht in einer traurigen Reihe von Anschlägen auf Angehörige von Religionsgemeinschaften in diesem Jahr. Überall auf der Welt ist in den vergangenen Monaten Gewalt und Terror im Namen von Religion verübt worden. Die Christen sind dabei die Religionsgemeinschaft, deren Angehörige am meisten verfolgt werden. Aber auch Muslime werden immer häufiger Opfer von Muslimen. Dieser religiös motivierte Terror ist die neue Geißel der Menschheit."