
Wadephul: Soldaten haben Großartiges geleistet
Nach dem Abzug aus Afghanistan: Einsatz muss genau analysiert werden
Am heutigen 29. Juni 2021 haben die letzten Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr Afghanistan verlassen. Dazu erklärt der Stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Johann Wadephul:
„Die Rückkehr der letzten Soldatinnen und Soldaten des letzten
Einsatzkontingents der Bundeswehr in Afghanistan ist ein besonderer Moment
in der Geschichte unseres Landes und der Bundeswehr. An erster Stelle stehen
die Freude und Dankbarkeit, dass alle Soldatinnen und Soldaten wohlbehalten
Afghanistan verlassen haben. Es war eine lange und gefährliche Mission der
Bundeswehr.
Die wohl über 100.000 Soldatinnen und Soldaten, die teilweise mehrfach in
Afghanistan ihren Dienst geleistet haben, haben Großartiges geleistet. Für
die Sicherheit unseres Landes, für die Sicherheit und die Unterstützung
unserer Bündnispartner und für die Menschen in Afghanistan. Dafür gebühren
den Soldatinnen und Soldaten die Anerkennung und der Dank unserer gesamten
Nation.
Zugleich ist dies auch ein Moment stillen Gedenkens. Und so sind unsere
Gedanken bei den 59 Angehörigen der Bundeswehr, die in diesem Einsatz ums
Leben gekommen sind. So wie auch bei ihren Familien, Freunden und
Kameradinnen und Kameraden, die der Verlust noch immer schmerzt. Wir denken
auch an die, die an Leib oder Seele verwundet wurden und oft noch Jahre
später leiden. Ihnen zu helfen ist eine besondere Verpflichtung für unsere
Gesellschaft. Afghanistan hat die Bundeswehr geprägt.
Die Rückkehr des letzten Einsatzkontingents sollte Ausgangspunkt für eine
nüchterne Analyse unseres fast zwei Jahrzehnte währenden Engagements sein.
Auch wenn der Einsatz nicht einfach war, haben wir viel erreicht. Erfolge,
die wir jetzt nicht kleinreden sollten. Denn es sind vor allem Erfolge für
die Menschen in Afghanistan: Der Terror ist zurückgedrängt, Mädchen und
Frauen haben ganz andere Rechte und Möglichkeiten als vor 20 Jahren und es
ist eine Zivilgesellschaft entstanden, die sich äußert, die sich einbringt,
die mitbestimmen will.
Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan stand nicht zuletzt auch für die
Bündnistreue und die Verlässlichkeit Deutschlands. Denn an seinem Beginn
stand die Erklärung des NATO-Bündnisfalls nach den Anschlägen des 11.
Septembers 2001. Deutschland stand vom ersten Moment an unseren Verbündeten
und internationalen Partnern bei, allen voran den USA. Jetzt, wo die NATO
gemeinsam beschlossen hat, den Einsatz zu beenden, verlässt auch die
Bundeswehr das Land.
Doch wir werden weiter für die Menschen in Afghanistan engagiert bleiben.
Deutschland wird alles unternehmen, damit die Gespräche zwischen der
afghanischen Regierung und den Taliban in Doha zu einem guten und
einvernehmlichen Ergebnis auf Basis der afghanischen Verfassung geführt
werden, sodass die Erfolge der vergangenen 20 Jahre so weit wie irgend
möglich bewahrt bleiben. Wir sind zusammen mit unseren Partnern bereit,
Afghanistan weiter zu unterstützen. Durch Finanzhilfen und Mittel der
Entwicklungs- und Wirtschaftszusammenarbeit. Und durch die Unterstützung der
afghanischen Sicherheitskräfte – auch hier durch Finanzmittel, aber
perspektivisch auch durch eine Fortführung der Ausbildung; an einem anderen
Ort mit einem anderen Schwerpunkt.
Trotzdem ist es wichtig, in den kommenden Monaten und vielleicht Jahren zu
analysieren, wie erfolgreich der Einsatz war, was wir gut gemacht haben und
was nicht. Wir müssen aus Afghanistan lernen. In Form einer nüchternen
Aufarbeitung, wie der Einsatz gelaufen ist und was für künftige Einsätze
daraus folgen muss. Diese Analyse darf keine innenpolitische Nabelschau
werden, sondern muss ergebnisorientiert laufen. Nur so können wir uns für
die Herausforderungen künftiger Einsätze bestmöglich wappnen. Denn die
sicherheitspolitische Lageanalyse weltweit zeigt dramatisch, dass wir auch
zukünftig in Auslandseinsätzen gefordert sein werden.“



