Fraktionssitzung im März 2004

Thema des Tages


(Quelle: Frank Bergmann / CDU/CSU-Bundestagsfraktion)
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Die Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU seit 1949

Seit 1949 führten zehn Männer und eine Frau die Gemeinschaft der Abgeordneten von CDU und CSU. Obwohl CDU und CSU eine Fraktionsgemeinschaft bilden, war der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bislang stets CDU-Mitglied.

Dr. Konrad Adenauer
* Köln 5. 1. 1876, † Bad Honnef-Rhöndorf 19. 4. 1967
Fraktionsvorsitzender vom 1. 9. bis 15. 9.1949

Bis zu seiner Wahl zum Bundeskanzler war Adenauer für wenige Tage der erste Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Heinrich von Brentano
* Offenbach am Main 20. 6. 1904, † Darmstadt 14. 11. 1964
Fraktionsvorsitzender vom 30. 9.1949 bis 7. 6. 1955 und vom 24. 11. 1961 bis 14. 11. 1964

Rechtsanwalt, Mitgründer der CDU in Hessen, 1946-49 dort Mitglied des Landtags, 1948/49 Mitglied des Parlamentarischen Rats, 1949-64 Mitglied des Bundestags, 1955-61 Außenminister. Brentano beteiligte sich maßgeblich an der Ausarbeitung der Römischen Verträge.

Dr. Heinrich Krone
* Hessisch-Oldendorf 1. 12. 1895, † Bonn 15. 8. 1989
Fraktionsvorsitzender vom 15. 6. 1955 bis 24. 11. 1961

Von 1923 an war er stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Zentrumspartei. 1925 bis 1933 war Krone jüngstes Mitglied des Reichstages für Berlin und Potsdam, 1945 Mitbegründer der CDU. 1949-65 war er Berliner Abgeordneter im Bundestag. Mitte Juni 1955 wählte die CDU/CSU-Bundestagsfraktion Krone als Nachfolger des Außenministers von Brentano zu ihrem Vorsitzenden. In dieser Funktion wurde er bis 1961 alljährlich neu bestätigt. Er wurde zu einer Schlüsselfigur im politisch-parlamentarischen Getriebe Bonns und - ohne eigene Karriereabsichten - einer der engsten Berater Konrad Adenauers. "Im Falle eines Falles leimt Krone wirklich alles", wurde ein Bonner Slogan. Wegen seiner guten Kontakte zu den Sozialdemokraten galt er als einer der Väter der "Großen Koalition".

Dr. Rainer Barzel
* Braunsberg (heute: Braniewo, Polen) 20. 6. 1924, † München 26. 8. 2006
Fraktionsvorsitzender vom 01. 12. 1964 bis 09. 5. 1973

Er führte 1969 bis 1973 die parlamentarische Opposition gegen die SPD/FDP-geführte Bundesregierung unter Willy Brandt (SPD). Beim konstruktiven Misstrauensvotum seiner Fraktion (27. 4. 1972) verfehlte er das Bundeskanzleramt nur knapp. Bei den Bundestagswahlen vom 19. 11. 1972 war er erneut Kanzlerkandidat von CDU und CSU.

Prof. Dr. Karl Carstens
* Bremen 14. 12. 1914, † Meckenheim 30. 5. 1992
Fraktionsvorsitzender vom 17. 5. 1973 bis 1. 12. 1976

Carstens wurde nur ein Jahr nach seinem Eintritt in den Bundestag 1973 zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion als Nachfolger von Rainer Barzel gewählt. Er konnte sich klar gegen zwei Mitbewerber durchsetzen. Während seiner Abgeordnetenzeit befasste er sich kritisch besonders mit der sozialliberalen Deutschland- und Ostpolitik. In seiner neuen Position beeindruckte Carstens durch Sachkenntnis und seine entschiedene konservative Haltung. 1979 bis 1984 Bundespräsident.

Dr. Helmut Kohl
* Ludwigshafen am Rhein 3. 4. 1930
Fraktionsvorsitzender vom 13.12.1976 bis 4. 10. 1982

Seit 1947 Mitglied der CDU, als bundesweit jüngster Politiker wurde er im Mai 1969 zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz gewählt und regierte das Land ab 1971 mit absoluter Mehrheit bis zu seinem Wechsel nach Bonn im Oktober 1976.

Nachdem noch im Oktober 1971 Rainer Barzel bei der Bewerbung um den Bundesvorsitz der CDU unterlegen war, wählte ihn die Partei am 12. 6. 1973 zum Bundesvorsitzenden. Bei den Bundestagswahlen 1976 verfehlte Kohl als Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers trotz des bis dahin zweitbesten Ergebnisses für die CDU/CSU den Regierungswechsel knapp. Er wechselte vom Amt des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz auf den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und wurde damit Oppositionsführer gegen die amtierende sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Nach dem Zerbrechen der sozialliberalen Koalition am 17. 9. 1982 wegen wachsender Spannungen über wirtschafts- und sozialpolitische Fragen wählte der Bundestag am 1. 10. 1982 durch ein von der CDU/CSU-Fraktion und der Mehrheit der FDP-Fraktion getragenes konstruktives Misstrauensvotum Kohl zum Bundeskanzler.

Alfred Dregger
* Münster 10. 12. 1920, † Fulda 29. 6. 2002
Fraktionsvorsitzender vom 4. 10. 1982 bis 25. 11. 1991

1956 wurde Dregger in Fulda jüngster Oberbürgermeister der Bundesrepublik. Bei den hessischen Landtagswahlen vom 8. 10. 1978 trat er zum dritten Mal als Spitzenkandidat seiner Partei an. Die CDU wurde erneut stärkste Partei, verfehlte aber wiederum die absolute Mehrheit. An der Formulierung des Union-Slogans "Freiheit statt Sozialismus" hatte er entscheidenden Anteil. Im Oktober 1982 wurde Dregger fast einstimmig als Nachfolger Kohls zum CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Nach der ersten gesamtdeutschen Wahl wählte die Fraktion den 70-jährigen im Dezember 1990 zum letzten Mal für ein Jahr in diese Funktion. Am 25. 11. 1991 legte Dregger zugunsten Wolfgang Schäuble den Fraktionsvorsitz nieder und war seither Ehrenvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Bei der Bundestagswahl am 16. 11. 1994 konnte Dregger zum achten Mal in Folge ein Direktmandat für die CDU holen und erzielte mit 55,1 % der Stimmen das beste Direktwahlergebnis in Hessen.

Dr. Wolfgang Schäuble
* Freiburg/Br. 18. 9. 1942
Fraktionsvorsitzender vom 25. 11. 1991 bis 29. 2. 2000

Seit 1972 Mitglied des Bundestags, war er von 1982 bis 1984 parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 1984 bis 1989 Bundesminister im Bundeskanzleramt, 1989 bis 1991 Bundesminister des Inneren. Schäuble führte 1990 auf Seiten der Bundesrepublik Deutschland die Verhandlungen mit der DDR über den Einigungsvertrag. Seit einem Attentat am 12. 10. 1990 ist er querschnittsgelähmt. Nach dem Attentat wurde er 1991 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im November 1998 auch Bundesvorsitzender der CDU. Am 16. 2. 2000 erklärte er seinen Rücktritt vom Partei- und Fraktionsvorsitz.

Er führte die schwierigen Verhandlungen mit der SPD über den Asylkompromiss vom Mai 1993. 1994 und 1999 stellte er zusammen mit dem Außenpolitiker Karl Lamers viel beachtete Thesen zum europäischen Einigungsprozess vor (Kerneuropa).

Friedrich Merz
* Brilon 11. 11. 1955
Fraktionsvorsitzender vom 29. 2. 2000 bis 24. 9. 2002

1989 bis 1994 Mitglied des Europäischen Parlaments, seit 1994 Mitglied des Bundestags, ab 1998 bis 2000 stellvertretender Vorsitzender, 2002 bis 2004 erneut stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Dr. Angela Merkel
* Hamburg 17. 7. 1954
Fraktionsvorsitzende vom 24. 9. 2002 - 21. 11. 2005

Diplomphysikerin; in der Mark Brandenburg aufgewachsen. Sie war im Herbst 1989 Mitbegründerin des "Demokratischen Aufbruchs" (DA); wurde am 12. 4. 1990 stellvertretende Regierungssprecherin und enge Mitarbeiterin von Ministerpräsident Lothar de Maizière, im August 1990 wurde sie Mitglied der CDU, am 2. 12. 1990 Mitglied des Bundestags.

Sie war 1998 bis April 2000 CDU-Generalsekretärin; in diesem Amt erwarb sie sich besondere Anerkennung durch ihre Haltung in der Aufklärungsphase der Finanz- und Parteispendenaffäre der CDU (ab Ende 1999). Im April 2000 wurde sie zur Bundesvorsitzenden der CDU gewählt. Unmittelbar nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 nahm sie nach verschiedenen Sondierungsgesprächen in andere Richtungen Verhandlungen mit der SPD zur Bildung einer großen Koalition auf.

Volker Kauder
* Sinsheim 3. 9. 1949
Fraktionsvorsitzender seit dem 21. 11. 2005

Seit 1990 Mitglied des Bundestags und 2002 bis 2005 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion; Anfang 2005 wurde Kauder Generalsekretär der CDU. Nach der Wahl Angela Merkels zur Bundeskanzlerin wurde er Fraktionsvorsitzender und hat dieses Amt bis heute inne.