Leben auf dem Land muss Zukunft haben
In den ländlichen Räumen ist der demografische Wandel seit längerem spürbar. Die Geburtenraten sind rückläufig, den Firmen fehlt es an Arbeitskräften. Damit Familien und Unternehmen auf dem Land weiterhin gute Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfinden, haben die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und FDP im Februar 2012 die koalitionsübergreifende Arbeitsgruppe „Ländliche Räume, regionale Vielfalt“ eingesetzt.
Ziel ist es, die Vielzahl an Projekten, die unter anderem in den Ministerien vorliegen, zu bündeln und zu beschleunigen. Nach einer detaillierten Bestandsaufnahme sollen Schwerpunkte gesetzt und konkrete Maßnahmen bis zum Herbst – möglichst bis zum Sommer – vorlegt werden.

Mitglieder der Koalitionsgruppe Ländliche Räume, regionale Vielfalt
© CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Dem demografischen Wandel entgegensteuern
Egal ob Stadt oder Land – bislang haben die Menschen überall annähernd gleiche Lebensbedingungen vorgefunden. Dieses Gleichgewicht von Stadt und Land kommt aber immer stärker in eine Schieflage. Hauptursache dafür ist der demografische Wandel. Nach neuen Prognosen wird die Einwohnerzahl Deutschlands trotz Zuwanderung bis 2060 um zwölf bis 17 Millionen Einwohner sinken.
Vor allem in den ländlichen Räumen wird die Bevölkerung nach und nach zurückgehen. Allein zwischen 2003 und 2008 hat über die Hälfte der Gemeinden in Deutschland ein halbes Prozent ihrer Einwohner verloren. Am Ende dieses Zeitraums hatten die Dörfer in Sachsen sechs Prozent weniger Einwohner, im Rhein-Main-Gebiet waren es 3,3 Prozent.
Hat die Abwanderung eingesetzt, droht eine negative Entwicklungsspirale. Läden, Arztpraxen und Freibäder müssen schließen, letztendlich sogar Schulen. Familien ziehen weg, Unternehmen verlagern ihre Standorte.
Eine solche Entwicklung müssen wir verhindern. Ziel der Arbeitsgruppe „Ländliche Räume, regionale Vielfalt“ ist es, die Vielfalt in unserem Land zu erhalten. Wir müssen die Regionen stärken, um unser Land insgesamt stark zu halten.
Themenschwerpunkte
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe sind Experten aus der Wirtschafts-, Kommunal- und Tourismuspolitik sowie aus der Sozial- und Gesundheitspolitik. Sie sorgen dafür, dass das Thema umfassend bearbeitet und als Querschnittaufgabe beleuchtet wird. Neben den Fachpolitikern der CDU/CSU gehören Claudia Bögel (Obfrau), Edmund Peter Geisen, Heinz Peter Haustein, Sebastian Körber, Horst Meierhofer von der FDP der Arbeitsgruppe an.
Konkret geht es um fünf große Themenkomplexe:
- Der Schlüssel für die Stabilisierung der ländlichen Räume ist eine gesunde Wirtschaft und Landwirtschaft. Daher müssen wir uns noch intensiver fragen, wie die Wirtschaft auf dem Land langfristig gestärkt werden kann. Hierzu gehört sicherlich eine effiziente Regionalförderung.
- Die Menschen in den ländlichen Räumen klagen ganz besonders über die mangelnde Versorgung mit dem schnellen Internet. Die bisherigen Bemühungen haben nicht ausgereicht, um die ländlichen Regionen schnell und gut genug zu versorgen. Wir müssen eine digitale Spaltung Deutschlands zwischen städtischen und ländlichen Regionen verhindern. Wir müssen darüber diskutieren, wie wir hier zu einem angemessenen Ausgleich, auch in der Finanzierung, kommen.
- Die ländlichen Räume brauchen gute Anbindungen an die großen Verkehrsachsen. Wir müssen prüfen, ob die Mittel für den Erhalt der Bundesstraßen ausreichend sind oder ob wir mehr tun können – wohlwissend, dass der Abbau der Staatsverschuldung uns Grenzen setzt. Aber der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur braucht eine größere Dynamik, gerade für die ländlichen Räume.
- Ein zentraler Standortfaktor ist die soziale, insbesondere die medizinische Versorgung. Die Koalition geht bereits gegen den Ärztemangel auf dem Lande vor, etwa mit der Verbesserung der Vergütungsstruktur für Landärzte. Dies kann nur der erste Schritt sein. Wir müssen prüfen, ob wir beispielweise nicht stärker den Aufbau von medizinischen Versorgungszentren fördern müssen. Hierbei kann auch den Kommunen eine entscheidende Rolle zukommen.
- Viele ländliche Regionen sind Perlen der Ruhe und Erholung. Menschen verbringen dort gerne ihren Urlaub. Das reicht vom klassischen Urlaub auf dem Bauernhof über die wunderschönen Ausflugslandschaften in ganz Deutschland bis hin zu modernen Wellness-Angeboten. Die Koalition fördert den Deutschlandtourismus in seiner ganzen Breite. Wir sollten diskutieren, wo noch weiterer Handlungsbedarf besteht.
Starke Regionen nützen unserem Land. Die Bundespolitik muss mit günstigen Rahmenbedingungen die innovativen Kräfte der Regionen fördern. Die Koalitionsfraktionen werden dazu ihren Beitrag leisten.
Videos vom Kongress Ländliche Räume