Die Inhalte der Arbeitsgruppe Tourismus kreisen um die deutschen Bürger als Touristen, etwa wenn ihre Verbraucherrechte geschützt werden sollen oder der kulturelle Austausch gefördert. Ebenso bedeutsam ist der Tourismus jedoch auch als Faktor für Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt für Deutschland als Reiseland. Es handelt es sich also größtenteils um ein Querschnittsthemenfeld, viele Berichte, Gesetze und Anträge etwa aus der Wirtschaftspolitik werden kommentiert.
Was haben wir bisher erreicht?
Der Tourismus sichert direkt und indirekt in Deutschland 2,8 Millionen Arbeitsplätze und hat einen Anteil von ca. 8% am Bruttoinlandsprodukt. Deutschland ist als Reiseziel beliebter denn je. 2010 wurde mit rund 380 Millionen Gästeübernachtungen ein absoluter Rekord erreicht. Nie wurde seit der Einführung der gesamtdeutschen Erhebung im Jahr 1992 ein höherer Wert erzielt. Dieser positive Trend hielt auch im ersten Halbjahr 2011 mit einem erneuten Zuwachs von 5 Prozent unvermindert an. Jenseits der eigenen Grenzen konnte unser Land in der Gunst der Reisenden besonders kräftig zulegen: Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 60,3 Millionen. Im ersten Halbjahr 2011 lag der Zuwachs bei weiteren 8,3 Prozent.
Die Zahlen machen deutlich: Der Tourismusstandort Deutschland ist gestärkt aus der Krise hervorgegangen und punktet erfolgreich im internationalen Wettbewerb. Dieser Erfolg bestätigt den Kurs der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die sich beständig für eine intensivere Vermarktung deutscher Tourismusangebote im Ausland einsetzt. Die Bundeszuwendung an die dafür zuständige Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) wurde weiter erhöht und liegt jetzt bei 27,2 Mio. Euro pro Jahr.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Stärkung des Tourismus im Ländlichen Raum. Deutschland ist auch abseits der boomenden Städtereisen ein attraktives Reiseziel. Ländliche Regionen konnten in den vergangenen Jahren aber nicht in gleichem Maße von der positiven Entwicklung bei Gästeübernachtungen profitieren wie Städtereiseziele. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion unterstützt und begleitet deshalb intensiv die im Koalitionsvertrag angekündigte Erstellung einer Tourismuskonzeption für den ländlichen Raum. Wichtige Aspekte sind dabei neben dem Urlaub auf dem Bauernhof sporttouristische Segmente wie der Wasser-, Fahrrad- und Wandertourismus, der Bereich Kuren, Wellness- und Gesundheitsangebote sowie Freizeitparks. So wollen wir die wirtschaftlichen Impulse vor allem in strukturschwachen Räumen weiter erhöhen.
Im Juli 2010 hat die Koalition auf Initiative der CDU/CSU-Bundestagsfraktion den Antrag „Tourismus und Landschaftspflege verknüpfen - gemeinsam die Entwicklung ländlicher Räume stärken“ in den Bundestag eingebracht. Zur Sicherung der attraktiven Vielfalt unserer Kulturlandschaften sollen das Nationale Naturerbe, Naturschutzgroßprojekte des Bundes, die Nationalen Natur- und Kulturlandschaften sowie das Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ weiter unterstützt werden. Außerdem gilt es, naturtouristische Angebote auszubauen und ihre Entwicklung im Rahmen von Modellvorhaben zu erproben.
Beim Wassertourismus, der Schätzungen zufolge immerhin rund 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, haben wir an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen mitgewirkt. So kann künftig das Paddeln in Mietkanus ohne Begleitung auch auf Seen in Bayern unter bestimmten sicherheitsrelevanten Voraussetzungen zugelassen werden. Damit ist nunmehr auch das flächenmäßig größte und stark vom Tourismus geprägte Bundesland Bayern in diesem Bereich gut aufgestellt. Ermöglicht wurde die Änderung durch eine tourismuspolitische Unterstützung eines Kompromissvorschlags durch Bundes- und Landesabgeordneten der Union.
Auch auf internationale Ebene haben wir wichtige Impulse gegeben. So hat die Welttourismusorganisation UNWTO zugesagt, von uns vorgeschlagenen Themen noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen und entsprechende Aktivitäten international voranzutreiben. Hierzu zählen insbesondere Maßnahmen zum barrierefreien Tourismus, zum nachhaltigen und umweltfreundlichen Tourismus, die Bekämpfung von Sextourismus, Kinderprostitution und Kinderarbeit, sowie die Stärkung der menschenrechtlichen Verantwortung des Tourismus. Die UNWTO will nun verstärkt deutsche Anliegen berücksichtigen sowie deutsche Erfahrungen und Standards als Vorbild weltweit nutzen.
Welche zentralen Anliegen wollen wir bis zum Ende der Legislatur vorantreiben?
Wir wollen, dass Barrierefreiheit zu einem Qualitätsmerkmal des Deutschlandtourismus wird. Sie ist eine Grundvoraussetzung für die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben. Entsprechende Verbesserungen nützen Menschen mit Behinderungen ebenso wie Familien mit kleinen Kindern und älteren Urlaubern. Angesichts des demographischen Wandels wird dieser Aspekt noch weiter an Bedeutung gewinnen.
Ein weiterer Schwerpunkt wird die Förderung des Kinder- und Jugendtourismus sein. Im Gegensatz zu anderen Tourismussegmenten haben Kinder- und Jugendreisen auch eine große pädagogische und soziale Bedeutung. Sie ermöglichen intensive Erfahrungen durch das Zusammenleben in der Gruppe. Sie fördern das Kennenlernen der eigenen Heimat und den Kontakt mit anderen Ländern und Kulturen. Darüber hinaus gewinnen gezielte Angebote zu gesunder Ernährung und Bewegung an Bedeutung. Wir sehen daher in der weiteren Verbesserung der Qualität von Kinder- und Jugendreisen eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Im Bereich des Kulturtourismus wollen wir insbesondere die touristische Vermarktung des Reformationsjubiläums 2017 und der Luther-Dekade (2008-2017) weiter begleiten. Auch das Potenzial der gegenwärtig 36 UNESCO-Welterbestätten in Deutschland für den Tourismus wollen wir stärker nutzen. Dies gilt umso mehr, da Ende Juni 2011 der Welterbebitel an einige neue Kultur- und Naturerbestätten in mehreren Bundesländern verliehen wurde. Seit 2009 fördert die Bundesregierung auf Initiative der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die deutschen Welterbestätten mit insgesamt 220 Millionen Euro.
International werden wir uns dafür einsetzen, die Chancen des Tourismus zur Achtung von Menschenrechten stärker zu nutzen. Die deutsche Tourismuswirtschaft ist sich ihrer Verantwortung in dieser sensiblen Frage bewusst. Wir wollen die Branche bei ihren Bemühungen zur Einhaltung der Menschenrechte unterstützen und die Umsetzung des Globalen Ethikkodexes der Welttourismusorganistion UNWTO fördern.