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09.02.2012


Weltbevölkerungswachstum – Herausforderungen für die Entwicklungspolitik

Demografische Entwicklung stärker berücksichtigen




Die Weltbevölkerung wächst in rasantem Tempo: Seit Oktober 2011 leben sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten. 2050 werden es mindestens neun Milliarden sein, wobei der überwiegende Teil des Wachstums in Afrika südlich der Sahara zu verzeichnen ist. Die Frage, ob die deutsche Entwicklungspolitik für die Herausforderungen des Weltbevölkerungswachstums gewappnet ist, diskutierten in der vergangenen Woche etwa 250 Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf einem Kongress im Reichstag, zu dem die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eingeladen hatte.


In ihrem Eingangsstatement wies die entwicklungspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Sibylle Pfeiffer, auf die Komplexität und Vielschichtigkeit des Themas hin. Weltbevölkerungswachstum, Nahrungsmittelsicherheit, die Sicherstellung einer Basisinfrastruktur oder auch die politische Stabilität von Staaten - alles hänge thematisch zusammen und bedinge einander. Leider sei es über lange Jahre versäumt worden, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, stellte sie fest.

Bundesentwicklungsminister DirkNiebel betonte, dass die Bevölkerungsdynamik die Politik vor große Herausforderungen stelle. Eine gut ausgebildete junge Bevölkerung könne jedoch auch eine große Chance für wirtschaftliches Wachstum und größeren Wohlstand für die Entwicklungsländer bedeuten. Aus diesem Grunde habe sein Ministerium im vergangenen Jahr beschlossen, Fragen der Weltbevölkerung zu einem wichtigen Bestandteil seiner strategischen Planung zu machen.

 

Die junge Generation stark machen

Aus internationaler Sicht forderte der Exekutivdirektor des Weltbevölkerungsfonds (UNFPA), Babatunde Osotimehin, nicht ausschließlich auf die reinen Bevölkerungszahlen zu schauen. Wichtiger sei die Beantwortung der Frage, wie der Zugang zu einer Basisinfrastruktur für eine wachsende Weltbevölkerung sichergestellt werden könne. Primäres Ziel müsse es sein, die junge Generation für die Herausforderungen der Zukunft stark zu machen. In diesem Zusammenhang dankte er Deutschland für seine Unterstützung des UNFPA.

Bei der sich anschließenden Diskussionsrunde zu den Themenkomplexen Ernährungssicherung, Gesundheit, Bildung und soziale Sicherung wurde die Frage erörtert, wie eine nachhaltig bewirtschaftete Welt mit neun bis zehn Milliarden Menschen aussehen könnte. Referenten waren Erich Zahn, Co-Autor der Studie „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome, Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, Joachim von Braun, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn, und Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Gefordert wurde von Seiten der Referenten unter anderem eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität, eine Reduzierung der Nahrungsmittelverschwendung, mehr Maßnahmen zu selbstbestimmter Familienplanung sowie eine Verbesserung der Bildungsqualität.

 

Ruck fordert umfassenden Ansatz

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christian Ruck forderte in seinem Schlusswort einen umfassenden Ansatz für die Lösung der Herausforderungen, die mit dem Weltbevölkerungswachstum verbunden sind. Dabei sei jedoch auch ein entsprechender politischer Wille in den Entwicklungsländern selber vonnöten.

Auf einem Folgekongress im nächsten Jahr sollen die Themen Klima, Umwelt, Konflikte, Migration, Ressourcen und Urbanität erörtert werden. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat zu ihrer Veranstaltung ein Thesenpapier mit dem Titel „Entwicklungszusammenarbeit an den Herausforderungen des Weltbevölkerungswachstums ausrichten“ vorgelegt.

Dr. Babatunde Osotimehin, Exekutivdirektor des Weltbevölkerungsfonds, während seiner Rede beim Weltbevölkerungskongress am 8.2.2012

Foto: CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Dr. Babatunde Osotimehin, Exekutivdirektor des Weltbevölkerungsfonds, während seiner Rede beim Weltbevölkerungskongress am 8.2.2012


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