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18.03.2009
Jochen-Konrad Fromme,
Volker Kauder,
Dr. Angela MerkelWandel durch Erinnerung
Kongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Auch 60 Jahre danach ist die Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen ein viel diskutiertes Thema. Aktueller Beweis dafür: Sieben Stunden haben über 300 Teilnehmer in drei Diskussionsrunden im CDU/CSU-Fraktionssaal im Berliner Reichstag über die Vergangenheitsbewältigung, über Kriegskinder und Enkelgeneration sowie Integrationsfragen diskutiert. Im Mittelpunkt des Interesses stand jedoch die Rede der Bundeskanzlerin.
Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte das Motto des Kongresses und rief in ihrer Rede dazu auf, das Kapitel Flucht und Vertreibung nicht einfach für abgeschlossen zu erklären und "in den hintersten Winkeln unserer Geschichtsarchive verstauben" zu lassen. Nicht zurück schauen, hieße vor der Wahrheit zu kapitulieren. Aber Wahrheit lasse sich nicht unterdrücken, unterstrich die Bundeskanzlerin. Die Erlebnisgeneration habe ein Recht darauf, dass das gesamte Land Flucht und Vertreibung als Teil seiner Geschichte begreife, so Merkel.
Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik und 20 Jahre nach dem Fall der Mauer sei es für viele nicht mehr nachvollziehbar, wie es damals gewesen sei. "Deshalb möchte ich uns alle ermuntern, auch in diesen Zeiten immer wieder das Gespräch zu suchen und den schwierigen Weg der Versöhnung zu gehen", sagte Merkel. Das Ausstellungszentrum in Berlin soll deshalb Begegnungsstätte der Generationen und internationaler Treffpunkt werden. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach habe trotz persönlicher Angriffe maßgeblich dazu beigetragen, die Stiftung zu realisieren, erklärte die CDU-Vorsitzende.
Zu Beginn hatte Fraktionsvorsitzender Volker Kauder BdV-Präsidentin Steinbach vor Angriffen in Schutz genommen. Dass die Diskussionen um Steinbach auf diese Art und Weise geführt wurden, habe ganz erheblich mit unserem Koalitionspartner SPD zu tun, sagte Kauder. Kauder wandte sich auch gegen die zum Teile derbe Kritik an Steinbach aus Polen.
Der Fraktionsvorsitzende würdigte Steinbachs Einsatz für die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" Das Schicksal der Vertriebenen sei stets Auftrag und Mahnung, für Frieden, Sicherheit und politische Stabilität zu sorgen. Darum gehe es bei der Erinnerung an die Vertreibung. Ursache für Leid und Vertreibung in Europa während und nach dem Zweiten Weltkrieg sei ausschließlich der NS-Terror gewesen, betonte der CDU-Politiker.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist die einzige Fraktion im Deutschen Bundestag, die die Interessen der Vertriebenen in einer eigenen Gruppe von Abgeordneten bündelt, hob der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler, Jochen-Konrad Fromme, hervor. Der Kongress hat in der Fraktion bereits Tradition: Alle zwei Jahre lädt die Unionsfraktion zu diesem Thema nach Berlin ein. Fromme unterstrich, dass die Tagung daher nicht im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um den Sitz des BdV im Stiftungsrat zu sehen sei.
Eine Ausstellungs- und Dokumentationsstätte in Berlin soll künftig an das Unrecht millionenfacher Vertreibungen erinnern und zur Versöhnung beitragen. Unterhalten wird sie von der "Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung", die seit Beginn des Jahres der Stiftung Deutsches Historisches Museum angegliedert ist. Die geplante Dauerausstellung soll an die Flucht und Vertreibung von Deutschen während und nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern, aber auch das menschliche Leid von Millionen Menschen in Osteuropa und Russland dokumentieren. Deshalb werden die gesamteuropäischen Aspekte von Vertreibung bis zur Gegenwart dargestellt. Vergessen wird dabei nicht die Ursache von Flucht und Vertreibung: die nationalsozialistische Expansions- und Vernichtungspolitik. Standort der Dokumentationsstätte wird das Berliner "Deutschlandhaus" in unmittelbarer Nähe zum Anhalter Bahnhof und Potsdamer Platz.
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