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03.11.2011
Peter WeißStress am Arbeitsplatz
Unternehmensverantwortung bei der Prävention psychischer Erkrankungen
Arbeitsverdichtung, Konkurrenzkampf, Angst um den Arbeitsplatz, Perfektionismus, „Arbeiten bis zum Umfallen“ – psychische Erkrankungen oder gar Burnout sind oftmals die Folge. Unsere moderne Arbeitswelt bringt zunehmend Beschäftigte an den Rand ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit. Psychisch bedingte Krankschreibungen stiegen in den letzten zehn Jahren um rund 40 Prozent. Dramatisch ist auch der Anstieg von Anträgen auf Erwerbsminderungsrente aufgrund psychischer Erkrankungen. Allein im letzten Jahr stieg die Zahl um 6.500 auf rund 71 Tausend und ist inzwischen Hauptgrund für einen vorzeitigen Rentenbezug.
Psychische Erkrankungen haben verheerende Folgen für den Betroffenen selbst, aber auch für das Unternehmen, die Gesamtwirtschaft und unser Sozialversicherungssystem. Die psychische Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu erhalten, muss zur Selbstverständlichkeit einer jeden Unternehmenskultur werden. Es genügt nicht mehr, die betriebliche Gesundheitsförderung auf rein körperliche Maßnahmen wie Rückenschulung und Gerätesicherheit zu beschränken. Umdenken ist angesagt.
Die Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion veranstaltete am 24. Oktober 2011 ein Fachgespräch zur Prävention psychischer Erkrankungen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Dabei wurde mit Vertretern der betroffenen Gruppen erörtert, welche Konzepte benötigt werden, um die geistige wie körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhalten und psychischen Erkrankungen vorzubeugen. Das Gesundheitsmanagement stärker auf die Prävention psychischer Erkrankungen auszurichten sei dabei Aufgabe der Sozialpartner, der einzelnen Führungskräfte, der Mitarbeiter, der Kranken- und Unfallkassen sowie der Betriebsärzte. Darin waren sich die Teilnehmer des Fachgesprächs einig. Einzelne Stimmen forderten zudem ein Eingreifen des Gesetzgebers, falls künftig kein Wandel in der Unternehmensführung zu erkennen sei.
Klar ist: strikte Gesetze und Verordnungen durch die Politik schlagen fehl. Für Stress kann kein Höchstwert formuliert werden. Stress ist individuell und kann daher kaum gesetzlich geregelt werden. Zielführender sind positive Beispiele aus der Unternehmenspraxis. So wie das der Deutschen Telekom AG.
Im Rahmen der Veranstaltung der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion präsentierte Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom AG, erstmals öffentlich das Konzept des Konzerns zur Früherkennung und Vermeidung psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz. Nach dem Motto: Gesunde Führung - Gesunde Kultur - Gesunder Mensch, geht das Unternehmen mit einem umfassenden Ansatz im betrieblichen Gesundheitsmanagement mit positiven Beispiel voran. Die Unternehmensführung hat erkannt, dass Mitarbeitergesundheit und Mitarbeiterzufriedenheit sich nicht zuletzt auch positiv auf das wirtschaftlich Wohlergehen eines Unternehmens auswirken.
Die Aufgabe Politik besteht darin, die Unternehmen und die Öffentlichkeit für das Thema psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz zu sensibilisieren und bei der Präventionsarbeit zu unterstützen. Wie etwa durch die vom Arbeitsministerium geförderte „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ und die Ursachenforschung durch das neu aufgelegte Programm des Forschungsministeriums.