Papst Benedikt XVI. hat die Politik aufgerufen, mit Vernunft und Herz zu regieren und sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Als erster Papst sprach Benedikt XVI. vergangenen Donnerstag vor dem Deutschen Bundestag. Im Mittelpunkt seiner Rede standen die ethischen Grundlagen des Rechts. Benedikt XVI. bezeichnete es als „Ehre und Freude“, vor dem demokratisch gewählten Parlament seines Vaterlandes sprechen zu dürfen.
„Der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet“, redete Benedikt den Politikern ins Gewissen. Der Antrieb für die Arbeit eines Politikers dürfe nicht der Erfolg allein und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Der Papst zitierte einen Bibel-Vers aus dem Buch der Könige, in dem der junge König Salomon bei der Thronbesteigung Gott bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht.“ (1 Kön 3,9). Dies führe auf die wahren Grundlagen der politischen Entscheidungen zurück, sagte der Heilige Vater: Nur das Herz habe die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit und dem Frieden zu dienen. Dabei bleibe die „salomonische Bitte die entscheidende Frage, vor der der Politiker und die Politik auch heute stehen“, mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

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Ohne Recht ist der Staat eine „große Räuberbande“
Der Papst zitierte den heiligen Augustinus mit den Worten: „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande.“ Diese leidvolle Erfahrung hätten die Deutschen gemacht, sagte Benedikt und erinnerte so an die Zeit des Nationalsozialismus, als der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung gemacht wurde. Grundlegende Aufgabe des Politikers müsse aber sein, dem Recht zu dienen und „der Herrschaft des Unrechts zu wehren“.
Das Christentum habe im Gegensatz zu anderen Weltreligionen dem Staat und der Gesellschaft nie eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es habe stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen, erläuterte Benedikt. Seiner Auffassung nach spiegele sich in Natur und Vernunft jedoch auch die schöpferische Vernunft Gottes. Wenn man den subjektiven Teil, Ethos und Religion aus der Kultur ausblende, gleiche das einem Leben in Betonbauten ohne Fenster.
Für eine Ökologie des Menschen
Das Auftreten der ökologischen Bewegung in den 1970er Jahren sei daher ein „Schrei nach frischer Luft gewesen“, den man nicht überhören durfte, analysierte Benedikt. „Jungen Menschen war bewusst geworden, dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt.“ Die Erde selbst trage ihre Würde in sich, und „wir müssen ihrer Weisung folgen“, folgerte Benedikt. Die Bedeutung der Ökologie sei inzwischen unbestritten. Die Menschen müssten auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten, mahnte das katholische Kirchenoberhaupt.
Es gebe auch eine Ökologie des Menschen. Menschlicher Wille sei dann recht, „wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sie annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat.“ Nur so vollziehe sich wahre menschliche Freiheit, betonte der Papst.