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22.12.2010

Volker Kauder

Heimische Arbeitskräfte müssen bevorzugt werden

Namensbeitrag im Hamburger Abendblatt




Der Unions-Fraktionsvorsitzende fordert ein Umdenken in der Beschäftigungspolitik und kündigt konsequente Reformen an. Mit Blick auf das anstehende Superwahljahr meint Kauder. „Wir dürfen nicht nur wolkige Versprechungen ohne Bezug zur Realität abgeben. Darin gefällt sich aber leider derzeit die Opposition, vor allem die Grünen.“


Wir können mit dem Jahr 2010 zufrieden sein. Aus der tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise ist Deutschland stärker hervorgegangen, als dies zu Beginn des Jahres selbst Optimisten erhofft hatten. Unser Wirtschaftswachstum wird zum Jahresende um rund 3,5 Prozent gestiegen sein. Der Arbeitsmarkt hat sich glänzend entwickelt. Die Beschäftigung ist so hoch wie lange nicht. Die Mehrzahl der Unternehmer blickt auch auf das Jahr 2011 mit großer Zuversicht.
 
Die christlich-liberale Koalition hat mit dem Wachstumsbeschleunigungs-Gesetz vom Jahresanfang, das unter anderem für mehr Kindergeld und bessere Investitionsmöglichkeiten für die Wirtschaft gesorgt hat, diese Entwicklung begünstigt. Dass Deutschland in Europa wieder ganz vorne liegt, ist aber in ers­ter Linie das Verdienst der Unternehmer und vor allem der Arbeitnehmer.
 
Millionen Arbeitnehmer haben in der Wirtschaftskrise auf Lohn verzichtet. Viele konnten nur mit Kurzarbeit beschäftigt werden. Sofern die Ertragslage der Unternehmen dies irgendwie rechtfertigt, sollte in den Tarifverhand­lungen im kommenden Jahr dieser Lohnverzicht wenigstens ein wenig aus­geglichen werden. Firmen, die ihren Belegschaften in den vergangenen Wo­chen erhöhte Löhne vorzeitig ausge­zahlt haben, gehen mit gutem Beispiel voran.
 
Es sind die Unternehmen beson­ders stark, in denen sich die Belegschaft mit der Firma identifiziert. Umgekehrt sollten die Unternehmensführungen nun ihren Arbeitnehmern ihren Dank zollen.
 
Wir haben in den vergangenen Wo­chen viel über neuen Zuzug von auslän­dischen Arbeitnehmern diskutiert. Die Analysen sind zwar noch nicht abgeschlossen. Es kann durchaus wegen der wachsenden Alterung unserer Bevölke­rung ein Bedürfnis dafür geben, neue gut qualifizierte Fachkräfte anzuwer­ben. Vorrang muss aber die Beschäfti­gung heimischer Arbeitskräfte haben -und das zu guten Bedingungen. Dazu gehört vor allem, dass gerade junge Facharbeiter oder Ingenieure nach Abschluss ihrer Ausbildung nicht jahre­lang nur Zeitarbeitsverträge erhalten. Das hat Folgen für die gesamte Gesell­schaft. Solche Arbeitnehmer werden zum Beispiel nicht immer den Mut zu einer Familiengründung aufbringen. Auch hier sollten gerade die großen Un­ternehmen umdenken und jungen Ar­beitnehmern von Anfang an eine echte Perspektive geben.
 
2011 wird mit seinen sieben Land­tagswahlen ein sogenanntes Superwahljahr werden. Die christlich-libera­le Koalition wird deshalb von ihrem eingeschlagenen Kurs nicht abrücken, notwendige Reformen zu verabschie­den. Wir sind bereit, auch schwierige Wege zu gehen, die vielleicht wie unser Energiekonzept auch einmal Streit aus­lösen können. Die Sicherung der Zu­kunft braucht Mut.
 
Wir dürfen nicht nur wolkige Ver­sprechungen ohne Bezug zur Realität abgeben. Darin gefällt sich aber leider derzeit die Opposition, vor allem die Grünen.
 
Auch im kommenden Jahr wird wieder die Währungs-, Haushalts- und Finanzpolitik stark im Mittelpunkt stehen. Für die Stabilität des Euro müssen alle Regierungen in Europa umdenken. Allen Staaten sollte klar geworden sein, dass nur eine solide Haushalts- und Wirtschaftspolitik letztlich zum Erfolg führt. Der Druck in diese Richtung muss erhöht werden. Es kann nicht da­rum gehen, die eigenen Schulden den anderen vor die Füße zu kippen. Eines ist klar: Der Euro ist unsere Währung. Wir stehen zu ihr.
 
Deutschland muss bei der Haus­haltsdisziplin weiter vorangehen. Der anstehende Haushalt 2012 wird wegen der immer strenger werdenden Schuldenbremse schwieriger als der kürzlich verabschiedete für das Jahr 2011.
 
Letztlich gilt es, das Treiben auf den Finanzmärkten genau zu beobachten und notfalls gegen Exzesse vorzugehen. Die Finanzkrise darf sich nicht wieder­holen. Wenn uns das alles gelingt, wird auch 2011 ein gutes Jahr für Deutsch­land.
 
Volker Kauder

Foto: Werner Schüring
Volker Kauder


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Heimische Arbeitskräfte müssen bevorzugt werden