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19.03.2010

Leo Dautzenberg

Wir wollen eine Sonderabgabe für den Finanzsektor

Rede zum Haushaltsgesetz 2010




I.21) Beratung BeschlEmpf u Ber (8.A)
hier: Haushaltsgesetz 2010
- Drs 17/624, 17/625 -
(TOP I.21, ohne Debatte))
II.) Dritte Beratung Bundesregierung
Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2010
(Haushaltsgesetz 2010)
- Drs 17/200, 17/201, 17/601 bis 17/616, 17/619 bis 17/622,17/623 17/624, 17/624, 17/25, 17/1077


Frau Präsidentin!
Meine Damen und Herren!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
Zum Haushalt ist ausrei­chend viel gesagt worden. Darüber ist ausreichend de­battiert worden. Ich möchte für meine Fraktion dennoch einige Dinge zur Finanzmarktproblematik und zur Finanzmarktpolitik darlegen, weil der Bund bei vielen finanzmarktpolitischen Aufgaben in einer finanziellen Verantwortung steht. Dieser Verantwortung kommen wir in Form bestimmter Sonderfonds und Sonderhaushalte nach. Deshalb gehört es zu einer Haushaltsdebatte, dass wir auch Bereiche des Finanzmarktes beleuchten. Auf­grund der Folgen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise wurde der Bund schließlich in erheblichem Maße in An­spruch genommen.
 
Verehrter Herr Kollege Poß, Ihr Vorhalt geht im Grunde fehl. Ich glaube, Sie sollten unser gemeinsames Wirken hier nicht unter Wert verkaufen.
 
(Joachim Poß [SPD]: Das mache ich nicht!)
 
Das gilt insbesondere für das, was wir mit dem Finanz­marktstabilisierungsgesetz und den Weiterentwicklun­gen dieses Gesetzes auf den Weg gebracht haben, und dafür, wie wir die Stabilisierung des Finanzmarktes be­trieben haben.
 
(Joachim Poß [SPD]: Auch die Konjunktur­pakete und die Managervergütung waren nicht schlecht!)
 
Wir als Union werden die Politik auf dieser Grundlage fortsetzen.
 
Wenn Sie dem Minister hier vorhalten, er hätte sich vorschnell zum EWF, zum Europäischen Währungs­fonds, geäußert, sage ich Ihnen: Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass er unabhängig von der Situation Grie­chenlands das Erfordernis anderer Strukturen und Me­chanismen als Handlungskasten sieht, um den Euro zu­künftig weiterhin stabil zu halten. Wenn man das unter das Thema „Europäischer Währungsfonds“ subsumiert, kann das von der Aufgabenstellung her im Grunde nur richtig sein. Was damit in keiner Weise beabsichtigt war – das ist hier immer klargestellt worden –, ist, den Ein­druck zu vermitteln, dass wir nur vordergründig einen Fonds gründen wollen, der nichts anderes als einen Finanzausgleich herbeiführen soll. Das kann vielleicht am Ende eines Prozesses stehen, wenn der Instrumenten­kasten für eine Fortentwicklung des Stabilitätspaktes und der Maastricht-Verträge für alle Staaten vorhanden ist. Von daher war das ein richtiger Beitrag, der in die Zukunft wies.
 
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
 
Was haben wir bisher schon auf den Weg gebracht? Das waren nationale Stützungsmaßnahmen. Es gibt jetzt eine stärkere Aufsicht über die Ratingagenturen; das werden wir umsetzen. Es gibt höhere Eigenkapital­vorgaben, auch vom Baseler Ausschuss, die wir um­zusetzen haben. Außerdem haben wir ein Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung auf den Weg gebracht.
 
(Joachim Poß [SPD]: Richtig! Alles Vorschläge der SPD!)
 
Außerdem kann die Aufsicht über die Finanzinstitute jetzt aufgrund der Aufsichtsrichtlinie auch auf die Ver­gütungssysteme in den Banken im Bereich unterhalb der Vorstandsebene Einfluss nehmen.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Das sind doch entscheidende Beiträge, die wir schon auf den Weg gebracht haben.
 
Herr Kollege Poß, es wäre hilfreich gewesen, wenn Sie es positiv unterstützt hätten, als sich unsere Regie­rung und unser Finanzminister am Montag auf der Fi­nanzministerkonferenz für eine Regulierung von Hedge­fonds eingesetzt haben. Da Großbritannien sich gegen die Umsetzung sperrt, müssen wir doch nachdrücklich um Unterstützung nachsuchen, damit wir auch auf die­sem Gebiet eine Regulierung auf den Weg bringen kön­nen,
 
(Joachim Poß [SPD]: Da sind wir uns einig!)
 
damit wir das umsetzen können, was in unserem Koali­tionsvertrag steht. In Zukunft soll es keine Finanz­märkte, keine Finanzprodukte mehr geben, die nicht ei­nem Mindestmaß an Regulierung unterliegen.
 
(Joachim Poß [SPD]: Da sind wir uns ja einig!)
 
Von daher sollten wir positiv registrieren, dass die Vorschläge, die Obama vorgelegt hat, zeigen, dass in den USA zumindest Handlungsbedarf erkannt worden ist. Wir sollten die Zeit nutzen, um das auch auf unserer Ebene, auf europäischer Ebene nach vorne zu bringen. Wir sollten mit nationalen Maßnahmen anfangen.
 
(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Richtig!)
 
Wir haben schon vor Monaten Eckpunkte vorgestellt – das war nicht überraschend; denn daran arbeiten wir schon seit Monaten – und gesagt, wo wir auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene Handlungsbe­darf hinsichtlich der Regulierung der Finanzmärkte se­hen. Das ist im Grunde – ich nenne das einmal so – unser Dreiklang: eine verbesserte, effektivere Finanzaufsicht – durch Bündelung der Finanzaufsicht bei der Bundes­bank – verbunden mit einem weiter gehenden Insolvenz­recht für Finanzinstitute und einem Restrukturierungs­fonds, der diese Maßnahmen begleiten und auf den Weg bringen soll.
 
Das wollen wir mit einer Sonderabgabe für den Finanzsektor verbinden. Ich betone bewusst Finanzsek­tor, weil wir neben den Banken auch den Versicherungs­bereich einbeziehen müssen. Von daher sollte Herr Brüderle überlegen, ob es sinnvoll ist, von Anfang an be­stimmte Bereiche des Bankensektors davon auszuschlie­ßen. Gehen Sie davon aus, dass wir eine solche Sonder­abgabe in den jeweiligen Säulen des Bankensektors nach Risikogewichtung und nicht pauschal für den ganzen Banken- und Finanzsektor vornehmen werden.
 
(Joachim Poß [SPD]: Da sieht man, dass die Koalition nicht handlungsfähig ist! Er spricht Herrn Brüderle an!)
 
Von daher, Kollege Poß, sind wir hier auf gutem Wege. Gehen Sie davon aus, dass der Finanzminister und die Bundesregierung uns auf Grundlage dieser Forderungen im Frühjahr rechtzeitig Eckpunkte zu diesen Bereichen präsentieren werden.
 
(Joachim Poß [SPD]: Was sagt die FDP? Was sagt Herr Brüderle?)
 
Wir gehen davon aus, dass wir dies dann auch auf europäischer Ebene durchsetzen können.
 
(Joachim Poß [SPD]: Sie gegen die FDP zu unter­stützen, das könnten wir uns überlegen!)
 
Wir müssen aufpassen, dass die Maßnahmen, die wir na­tional in Gang setzen, mit den EU-Vorgaben kompatibel sind; sonst wäre das im Endeffekt kontraproduktiv.
 
(Beifall bei der CDU/CSU)
 
Noch eines: Denen, die hier immer betonen, man sollte einige Bereiche des Finanzsektors von der Sonder­abgabe ausschließen, weil sie die Krise nicht mit verur­sacht haben, muss ich sagen: Wenn der Staat und damit der Steuerbürger die erfolgten Rettungsaktionen nicht unternommen hätte, wäre der gesamte Finanzbereich in Mitleidenschaft gezogen worden. Deshalb sollte man keinen Bereich von Anfang an aus einer bestimmten Pflicht entlassen. Wie gesagt, die Sonderabgabe wird risikoadjustiert sein.
 
Daran sehen Sie: Die Union bleibt in der Finanzpoli­tik auf Kurs.
 
(Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Auf dem falschen Kurs!)
 
Schritt für Schritt werden wir die richtigen Maßnahmen umsetzen. Wir setzen darauf, dass wir sie auch auf inter­nationaler Ebene umsetzen können, um damit einen we­sentlichen Beitrag zu leisten.
 
Vielen Dank.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Leo Dautzenberg

Foto: Armin Linnartz
Leo Dautzenberg


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