6.) Beratung Große Anfrage SPD, DIE LINKE. und B90/DIE GRÜNEN
Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung
- Drs 17/5541, 17/7756 -
Herr Präsident! Meine Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen! „Eine Frau, die so gut sein will wie ein Mann, hat einfach nicht genug Ehrgeiz.“ – Wer auch immer diese Einsicht, die ja häufig zitiert wird, zuerst formuliert hat – eines ist jedenfalls klar: Die Wege der Frauen an die Spitze der Gesellschaft – auch in der Wissenschaft – sind eben oft mühsamer als die von euch, den Herren der Schöpfung.
(Zuruf von der FDP: Oh!)
Es ist offensichtlich, dass dieser Befund nicht nur für die Gesamtgesellschaft, sondern leider eben auch für die Wissenschaftsgemeinschaft gilt. Wir haben es heute schon ein paarmal gehört: 52 Prozent der Studierenden in Deutschland sind weiblich, der Promotionsanteil liegt bei 44 Prozent, der Habilitationsanteil bei 24 Prozent, aber nur 18 Prozent schaffen es auf einen Professorinnenplatz. Immerhin, das fand ich doch bemerkenswert bei dieser Studie – wir reden ja bei dem heutigen Thema über die Zehnjahreszeiträume, so wie bei der Quotierung von Frauen in den Aufsichtsräten –: In der Wissenschaft ist in den letzten zehn Jahren wesentlich mehr passiert als bei den DAX-Unternehmen. Der Anteil der Professorinnen hat sich immerhin verdoppelt.
(Ulla Burchardt [SPD]: Na ja!)
– Ich finde es zu wenig. Aber, Frau Burchardt, bei den DAX-Unternehmen war es ein klägliches, lächerliches Prozent. Deshalb ist das hier schon fast beglückend. Dass nur jeder fünfte Lehrstuhl von einer Professorin besetzt ist, ist natürlich trotzdem beschämend.
Selbst wenn wir uns in der Analyse einig sind: Bei den Mitteln und Instrumenten sind wir – wenn wir einmal ehrlich sind – alle ein bisschen ratlos. Man kann Gleichstellung nicht verordnen
(Zuruf der Abg. Marianne Schieder [Schwandorf] [SPD])
– nein, das glaube ich nicht –, weder mit Quoten noch mit Sanktionen. Hier gilt, dass das Ganze nicht nur den Bund betrifft, sondern dass auch die Länder mitmachen müssen und – das hat Herr Staatssekretär Braun gesagt – natürlich in erster Linie die Hochschulen.
Erlauben Sie mir an dieser Stelle einen Hinweis: Die Programme, die es gibt, sind ja sinnvoll. Das Land Berlin ist das einzige Bundesland, das tatsächlich ein eigenes Programm zur Förderung der Chancengleichheit in Forschung und Lehre hat.
(Dr. Petra Sitte [DIE LINKE]: Rot-Rot!)
Das haben wir in der Großen Koalition aufgelegt. Das Land gibt dafür immerhin 3,5 Millionen Euro aus. Deshalb wird da jede vierte Professur von einer Frau wahrgenommen; ansonsten ist es im Durchschnitt nur jede fünfte. Es geht also. Ich kann nur sagen: Nachahmung ausdrücklich empfohlen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie der Abg. Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD] und Dr. Petra Sitte [DIE LINKE])
Ob das ein Tropfen auf den heißen Stein oder, wie Herr Braun sagt, eine Säule ist: Das Professorinnen-Programm hat 200 Professuren mehr für Frauen geschaffen. Das Programm „Zeit gegen Geld“ sorgt immerhin dafür, dass Stipendiengelder in die Kinderbetreuung gesteckt werden können. Ich glaube aber auch, dass es vor allen Dingen – wie überall – darum geht, dass man die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern muss. Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz in Berlin – hier schaffen wir 23 000 neue Kindergartenplätze – ist, glaube ich, in dieser Hinsicht sehr wichtig. Es ist auch schon gesagt worden, dass die sensible Phase die zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr – das heißt nach der Promotion – ist. Da beginnt die Familienbetreuung, und ab da ist es besonders schwierig.
(Marianne Schieder [Schwandorf] [SPD]: Das Betreuungsgeld ist da nicht geeignet!)
Der Kinderbetreuungszuschlag beim BAföG war richtig. Das Elterngeld spielt hier – es kommt auch Studierenden mit Kindern zugute – eine wichtige Rolle. Zu nennen sind weiter: der garantierte Betreuungsplatz und das Förderprogramm „Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung“. Es gibt also viele Möglichkeiten. Ich finde übrigens auch, Frau Burchardt, dass man da noch viel mehr machen muss.
Wir sind uns einig: Gerade auch aufgrund der demografischen Entwicklung können wir auf die Potenziale der Frauen nicht verzichten. Und auch diese Erkenntnis haben wir – auch wir von der CDU; jedenfalls viele, gerade aber die Frauen – inzwischen alle: Da, wo Freiwilligkeit nicht weiterführt, muss es eben doch ein bisschen Druck sein – manchmal vielleicht auch ein bisschen mehr. Ich bin nicht immer eine Quotenfreundin und schon gar nicht eine Kampfhenne; wir haben aber bei den DAX-Unternehmen deutlich gemerkt: Da geht es nur mit Druck. Sanktionen sind, finde ich, immer problematisch.
(Ulla Burchardt [SPD]: Es gibt positive und negative Sanktionen!)
Es gibt intelligentere Programme. Ich habe gerade ein paar genannt.
Lassen Sie mich zum Schluss sagen: Wenn „Advent“ Erwartung heißt, dann ist und bleibt dieses Thema ein sehr adventliches.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie der Abg. Dagmar Ziegler [SPD] und Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD])