9.) Beratung BeschlEmpf u Ber (22.A)
zum Antrag CDU/CSU, FDP
Digitalisierungsoffensive für unser kulturelles Erbe beginnen
zum Antrag SPD
"Kulturelles Erbe 2.0" - Digitalisierung von Kulturgütern beschleunigen
zum Antrag DIE LINKE.
Die Digitalisierung des kulturellen Erbes als gesamtstaatliche Aufgabe umsetzen
zum Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Rechtssicherheit für verwaiste Werke herstellen und den Ausbau der Deutschen Digitalen Bibliothek auf ein solides Fundament stellen
- Drs 17/6315, 17/6296, 17/6096, 17/8164, 17/8486 -
Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Kollege von Notz, es war doch wohl diese Bundesregierung, die im Dezember 2009 mit der Deutschen Digitalen Bibliothek ein Jahrhundertprojekt angestoßen hat.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Konstantin von Notz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Zu halbherzig!)
– Ich spreche von dieser Bundesregierung. Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.
Bücher, Noten, Skulpturen in 3-D, Bilder, Filme und vieles mehr, alles, was heute in über 30 000 deutschen Kultureinrichtungen und Museen irgendwo im Keller, in Regalen und Ausstellungen schlummert, soll digital erfasst werden und im Internet über ein einziges Portal kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Damit sind unglaubliche Chancen für die Wissenschaft, die Bildung und die Kultur verbunden,
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Richtig!)
aber auch für jeden einzelnen privaten Nutzer, der sich darüber Zugänge zu Wissen erschließen kann, die vor einer Generation noch undenkbar gewesen wären. Die Digitalisierung ist ein wichtiger Baustein für den Erhalt unseres reichhaltigen deutschen kulturellen Erbes.
So schön das alles klingt – der Aufwand dafür ist enorm. Ich hoffe nicht, dass der Prozess ein Jahrhundert dauert, aber es werden sicher aus heutiger Sicht einige Jahrzehnte werden. Aber was dann nicht im Internet zu finden ist, wird es für die breite Masse der kommenden Generationen nicht mehr geben. Wir müssen deswegen Hürden für eine verstärkte Digitalisierung, wie zum Beispiel beim Urheberrecht für verwaiste Werke, aus dem Weg räumen und zusätzliche Finanzierungsquellen erschließen.
Durch öffentlich-private Partnerschaften zum Beispiel haben wir schon viel erreicht. 87 Prozent der deutschen Beiträge zur Europäischen Digitalen Bibliothek „Europeana“ stammen von der Bayerischen Staatsbibliothek.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)
Das ist nur möglich, weil die Bayerische Staatsbibliothek bereits 2007 mit großer Unterstützung des dortigen Wissenschaftsministeriums einen Vertrag mit Google geschlossen hat, der die Digitalisierung des gesamten urheberrechtsfreien Bestands der Bibliothek vom 17. bis zum 19. Jahrhundert zum Gegenstand hat. Dabei handelt es sich um über 1 Million Werke. Von diesen über 1 Million Werken wurden bisher schon 680 000 Werke digitalisiert und frei ins Netz gestellt. Google bekommt als Gegenleistung für diese Digitalisierung eine Kopie des Buches für sein Angebot. Es verbleibt aber auch eine physische Kopie bei der Bayerischen Staatsbibliothek zur uneingeschränkten Nutzung. Die Nutzung erstreckt sich auch auf Portale wie zum Beispiel die Deutsche Digitale Bibliothek oder die „Europeana“ und auf die Langzeitarchivierung. Der Wert dieser Dienstleistung von Google wird auf ungefähr 50 Millionen Euro geschätzt. Die Bayerische Staatsbibliothek kann dadurch ihre eigenen Mittel für die Digitalisierung, die zum großen Teil von der DFG kommen, auf besonders wertvolle und ältere Werke konzentrieren, zum Beispiel auf Drucke aus dem 16. Jahrhundert oder auf Handschriften. Auch davon wurden bereits 85 000 Werke ins Netz gestellt.
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Imponierend!)
So ein Modell hat natürlich auch seine Grenzen, aber es zeigt, wie durch geschickte Kooperation zwischen privaten und öffentlichen Auftraggebern ein echter Mehrwert für den Erhalt unseres kulturellen Erbes geschaffen werden kann.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Man darf aber bei den Kosten nicht nur die Kosten für die einmalige digitale Erfassung betrachten. Zur Langzeitarchivierung gehört auch das sichere Speichern, die ständige Überprüfung der Daten und die Aktualisierung der Dateiformate. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Alleine das, was Google momentan in München scannt, wird geschätzte Kosten von mindestens einer halben Million Euro jährlich für die Langzeitarchivierung verursachen. Das heißt, wir brauchen für diese Projekte auch eine Langzeitfinanzierung. Aber das Ergebnis – wir alle haben eben über die Chancen gesprochen – ist in jedem Fall das Geld wert. Wir müssen auf allen Ebenen versuchen, die Vorhaben der Digitalisierung auf allen Ebenen unseres Landes voranzutreiben.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)