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26.01.2012

Dr. Reinhard Brandl

Wir brauchen für diese Projekte auch eine Langzeitfinanzierung

Rede zur Digitalisierungsoffensive




9.) Beratung BeschlEmpf u Ber (22.A)

zum Antrag CDU/CSU, FDP
Digitalisierungsoffensive für unser kulturelles Erbe beginnen

zum Antrag SPD
"Kulturelles Erbe 2.0" - Digitalisierung von Kulturgütern beschleunigen

zum Antrag DIE LINKE.
Die Digitalisierung des kulturellen Erbes als gesamtstaatliche Aufgabe umsetzen

zum Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Rechtssicherheit für verwaiste Werke herstellen und den Ausbau der Deutschen Digitalen Bibliothek auf ein solides Fundament stellen

- Drs 17/6315, 17/6296, 17/6096, 17/8164, 17/8486 -


Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Kollege von Notz, es war doch wohl diese Bundesregierung, die im Dezember 2009 mit der Deut­schen Digitalen Bibliothek ein Jahrhundertprojekt ange­stoßen hat.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Konstantin von Notz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Zu halbherzig!)

– Ich spreche von dieser Bundesregierung. Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.

Bücher, Noten, Skulpturen in 3-D, Bilder, Filme und vieles mehr, alles, was heute in über 30 000 deutschen Kultureinrichtungen und Museen irgendwo im Keller, in Regalen und Ausstellungen schlummert, soll digital er­fasst werden und im Internet über ein einziges Portal kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Damit sind un­glaubliche Chancen für die Wissenschaft, die Bildung und die Kultur verbunden,

(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Richtig!)

aber auch für jeden einzelnen privaten Nutzer, der sich darüber Zugänge zu Wissen erschließen kann, die vor ei­ner Generation noch undenkbar gewesen wären. Die Di­gitalisierung ist ein wichtiger Baustein für den Erhalt un­seres reichhaltigen deutschen kulturellen Erbes.

So schön das alles klingt – der Aufwand dafür ist enorm. Ich hoffe nicht, dass der Prozess ein Jahrhundert dauert, aber es werden sicher aus heutiger Sicht einige Jahrzehnte werden. Aber was dann nicht im Internet zu finden ist, wird es für die breite Masse der kommenden Generationen nicht mehr geben. Wir müssen deswegen Hürden für eine verstärkte Digitalisierung, wie zum Bei­spiel beim Urheberrecht für verwaiste Werke, aus dem Weg räumen und zusätzliche Finanzierungsquellen er­schließen.

Durch öffentlich-private Partnerschaften zum Bei­spiel haben wir schon viel erreicht. 87 Prozent der deut­schen Beiträge zur Europäischen Digitalen Bibliothek „Europeana“ stammen von der Bayerischen Staatsbiblio­thek.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)

Das ist nur möglich, weil die Bayerische Staatsbiblio­thek bereits 2007 mit großer Unterstützung des dortigen Wissenschaftsministeriums einen Vertrag mit Google geschlossen hat, der die Digitalisierung des gesamten ur­heberrechtsfreien Bestands der Bibliothek vom 17. bis zum 19. Jahrhundert zum Gegenstand hat. Dabei handelt es sich um über 1 Million Werke. Von diesen über 1 Mil­lion Werken wurden bisher schon 680 000 Werke digita­lisiert und frei ins Netz gestellt. Google bekommt als Gegenleistung für diese Digitalisierung eine Kopie des Buches für sein Angebot. Es verbleibt aber auch eine physische Kopie bei der Bayerischen Staatsbibliothek zur uneingeschränkten Nutzung. Die Nutzung erstreckt sich auch auf Portale wie zum Beispiel die Deutsche Di­gitale Bibliothek oder die „Europeana“ und auf die Langzeitarchivierung. Der Wert dieser Dienstleistung von Google wird auf ungefähr 50 Millionen Euro ge­schätzt. Die Bayerische Staatsbibliothek kann dadurch ihre eigenen Mittel für die Digitalisierung, die zum gro­ßen Teil von der DFG kommen, auf besonders wertvolle und ältere Werke konzentrieren, zum Beispiel auf Dru­cke aus dem 16. Jahrhundert oder auf Handschriften. Auch davon wurden bereits 85 000 Werke ins Netz ge­stellt.

(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Imponierend!)

So ein Modell hat natürlich auch seine Grenzen, aber es zeigt, wie durch geschickte Kooperation zwischen privaten und öffentlichen Auftraggebern ein echter Mehrwert für den Erhalt unseres kulturellen Erbes ge­schaffen werden kann.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Man darf aber bei den Kosten nicht nur die Kosten für die einmalige digitale Erfassung betrachten. Zur Lang­zeitarchivierung gehört auch das sichere Speichern, die ständige Überprüfung der Daten und die Aktualisierung der Dateiformate. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Alleine das, was Google momentan in München scannt, wird geschätzte Kosten von mindestens einer halben Million Euro jährlich für die Langzeitarchivierung ver­ursachen. Das heißt, wir brauchen für diese Projekte auch eine Langzeitfinanzierung. Aber das Ergebnis – wir alle haben eben über die Chancen gesprochen – ist in je­dem Fall das Geld wert. Wir müssen auf allen Ebenen versuchen, die Vorhaben der Digitalisierung auf allen Ebenen unseres Landes voranzutreiben.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Dr. Reinhard Brandl

Foto: CDU/CSU-Fraktion
Dr. Reinhard Brandl


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Wir brauchen für diese Projekte auch eine Langzeitfinanzierung