Hier startet die Suche.

Twitter Fraktion

Twitter Abgeordnete

Hier startet der Seiteninhalt. Der Accesskey zur Rückkehr zum Seitenanfang ist die Ziffer 1.

Zum Seitenanfang
11.11.2009

Dirk Fischer

Mobilität muss für die Menschen bezahlbar bleiben

Rede in der Aussprache zur Regierungserklärung der Bundeskanzlerin




1) Aussprache zum Geschäftsbereich:
Verkehr, Bau und Stadtentwicklung


Frau Präsidentin!
Verehrte Kolleginnen und Kolle­gen!
 
Leistungsfähige Infrastruktur und Mobilität sind Grundlage für unsere persönliche Freiheit und Voraus­setzung für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit unse­rer Volkswirtschaft. Die neue Regierungskoalition will sich diesen Zielen mit einer effizienten Verkehrspolitik für heute und morgen zuwenden und dies sichern. Aber wir wissen auch, dass Mobilität für unsere Menschen im Lande bezahlbar bleiben muss.
 
Investitionsentscheidungen sollten eigentlich nach vorrangigem Bedarf, ermittelt aus einem Nutzen-Kosten-Verhältnis nachvollziehbarerer Kriterien, getroffen wer­den. Aber selbstverständlich war es auch richtig, dass die deutsche Einheit und die Osterweiterung der EU zu ver­änderten Schwerpunkten im Infrastrukturausbau ge­führt haben. Dies muss – das hat der Bundesminister deutlich gesagt – zu einem guten Ende geführt werden. Deswegen steht in der Koalitionsvereinbarung, dass wir uns bemühen wollen, die VDE-Projekte Straße bis 2010 und die VDE-Projekte Schiene bis 2017 fertigzustellen.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Wenn diese vorrangigen Projekte abgeschlossen sind, müssen wieder normale Verhältnisse einkehren und müs­sen diejenigen, die haben zurückstehen müssen, sowohl bei Neu- und Ausbau als auch bei Unterhalt und Erneue­rung der Infrastruktur wieder besser berücksichtigt wer­den.
 
Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sind vo-rangekommen, aber noch immer hinter dem vom Ge­setzgeber festgelegten Bedarf zurückgeblieben. Das kann auf Dauer natürlich nicht befriedigen. Wir haben keine Probleme bei der Feststellung des prioritären Be­darfs; aber wir haben erhebliche Probleme bei der Finan­zierung und Umsetzung dessen, was der Gesetzgeber be­schlossen hat. Wir müssen uns schrittweise einer Lösung nähern, und wir wollen dazu auch die Verkehrsinfra­strukturgesellschaft weiterentwickeln. Wir wollen die Haushaltsabhängigkeit von Verkehrsinvestitionen redu­zieren, und wir wollen eine mehrjährige Planungs- und Finanzierungssicherheit für Investitionsprojekte.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Herr Kollege Döring hat ja dazu das Notwendige ge­sagt. Wir sind davon überzeugt, dass nur verkehrsträ­gerbezogene Finanzierungskreisläufe die notwendige Transparenz im Hinblick auf die einzelnen Kostende­ckungsgrade und damit auch die Glaubwürdigkeit einer Nutzerfinanzierung schaffen. Machten wir dies nicht, nähme die Glaubwürdigkeit schweren Schaden. Deswe­gen müssen wir uns dort verstärkt bemühen.
 
Wir haben klar entschieden, dass es in dieser Legisla­turperiode eine Erhöhung der Lkw-Maut nicht geben wird. Dies ist ein Belastungsmoratorium für das Ge­werbe, das in diesem Jahr durch die Finanz- und Wirt­schaftskrise hart gebeutelt ist und sich erst einmal wieder freikämpfen muss, zumal es dort viele bedauerliche In­solvenzfälle gibt. Da das Transportgewerbe erst einmal die Mauterhöhung verkraften muss, die zum 1. Januar 2009 in Kraft trat, ist es, glaube ich, richtig, dass wir an der Lkw-Maut-Front jetzt Ruhe eintreten lassen.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Eine Pkw-Maut ist im Koalitionsvertrag nicht ver­einbart worden und steht daher nicht auf der Agenda die­ser Koalition. Also halte ich fest: Alle öffentliche Aufre­gung darum war völlig umsonst.
 
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Sören Bartol [SPD]: Erklären Sie das doch mal dem Minister!)
 
– Da der Minister nicht nur eben in der Debatte, sondern auch öffentlich in der Presse mehrfach das Gleiche ge­sagt hat, gibt es hier eine völlige Identität der Aussagen des Bundesministers, des Kollegen Döring und von mir. Nehmen Sie dies zur Kenntnis. Shakespeare würde „Much ado about nothing“ sagen, viel Lärm um nichts.
 
(Sören Bartol [SPD]: Vor dem Anruf der Kanzlerin oder danach?)
 
Zu einem effizienten Gesamtverkehrssystem gehört ein moderner und leistungsfähiger Schienenverkehrsträ­ger, ohne den eine erfolgreiche Verkehrspolitik völlig undenkbar wäre. Deutschland braucht eine effiziente Schieneninfrastruktur und starke Unternehmen für den Wettbewerb auf der Schiene. Dazu gehört natürlich ganz besonders das Bundesunternehmen, die Deutsche Bahn Aktiengesellschaft, die sich nicht nur dem Wettbewerb in Deutschland stellen muss, sondern auch die Chancen im europäischen Markt nutzen soll. Dieser europäische Markt im Schienenverkehr beruht nach unserer Überzeu­gung auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Deswegen darf die EU-Kommission nicht weiter hinnehmen, dass Deutschland seine Schieneninfrastruktur für den euro­päischen Wettbewerb öffnet und deutsche Unternehmen in anderen Märkten auf verschlossene Türen stoßen. Hier besteht Handlungsbedarf für die Kommission.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Die 1994 begonnene Bahnreform muss weiterge­führt werden. Das heißt konkret: Wir wollen die DB AG in ihrer positiven Entwicklung begleiten. Sobald es der Kapitalmarkt zulässt, werden wir eine schrittweise er­tragsoptimierte Privatisierung der Transport- und Logis­tiksparten einleiten. Die Infrastruktursparten Netz, Bahnhöfe und Energie werden nicht privatisiert; denn ordnungspolitisch ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Staat seine Infrastrukturverantwortung selbst wahrnimmt.
 
Die Rechte des Bundes bei der Umsetzung von Eisen­bahninfrastrukturprojekten sollen gestärkt werden, damit der Wille des Gesetzgebers aus dem Bundesschienenwe­geausbaugesetz und dem anhängenden Bedarfsplan zü­gig zur Ausführung gelangt. Der konzernweite Arbeits­markt – auch wir erklären dies in aller Deutlichkeit – bleibt erhalten.
 
Die Koalition will dafür sorgen, dass die Finanzbezie­hungen im Unternehmen und zwischen Bund und DB AG transparenter strukturiert werden. Wir wollen si­cherstellen, dass die Erlöse aus der Infrastruktursparte auch dorthin zurückfließen.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Die gesamte Infrastruktursparte muss im Sinne der EU-Richtlinie unabhängiger werden, um den Forderun­gen der EU aus dem laufenden Vertragsverletzungsver­fahren entsprechen zu können. Mit der stärkeren Unab­hängigkeit des Netzes verbessern wir auch den Wettbewerb auf der Schiene. Dazu soll das Regulierungs­recht im Allgemeinen Eisenbahngesetz überarbeitet wer­den, um zum Beispiel die Trassen- und Stationspreise ei­ner Anreizregulierung zu unterwerfen.
 
(Beifall des Abg. Dr. Anton Hofreiter [BÜND­NIS 90/DIE GRÜNEN])
 
Auch viele Jahre nach der Schaffung eines offenen EU-Binnenmarktes für den Güterverkehr ist unser Ge­werbe noch erheblichen Wettbewerbsverzerrungen im europäischen Markt ausgesetzt. Das wollen wir nicht dauerhaft hinnehmen, sondern mit einer offensiveren EU-Strategie angehen.
 
Der Luftverkehr ist ein weiterer wichtiger Pfeiler un­serer Verkehrswirtschaft. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Flüge in Deutschland verdoppelt. Die Prognose für 2025 geht noch einmal von einer Ver­doppelung der Anzahl der Flüge und des Passagierauf­kommens aus. Rund 850 000 Arbeitsplätze in Deutsch­land hängen direkt oder indirekt vom Luftverkehr ab, Tendenz steigend. Das ist eine Jobmaschine. Das sehen wir sehr positiv. Wir müssen das unterstützen.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Die Koalition erkennt die große Bedeutung des Luft­verkehrs. Sie will dabei folgende Ziele erreichen: ein koordinierter Ausbau der Flughafeninfrastruktur, inter­national wettbewerbsfähige Betriebszeiten, die zügige Realisierung des Single European Sky auf europäischer Ebene, die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfä­higkeit der Deutschen Flugsicherung GmbH, insbeson­dere durch eine Befreiung von den Restriktionen des § 65 Abs. 3 der Bundeshaushaltsordnung.
 
Die neue Regierungskoalition will die wirtschaftli­chen Chancen, die sich aus der geografischen Lage Deutschlands in der Mitte Europas ergeben, verkehrspo­litisch gezielt nutzen, dazu den Logistikstandort aus­bauen und eine mit den Ländern abgestimmte Vermark­tungsoffensive starten, um so noch stärker an der Wertschöpfung in Handel und Logistik teilzuhaben.
 
Der Bürger erwartet von uns ein aktives, zielgerichte­tes Handeln, aber seine Akzeptanz für den Verkehr hängt auch von unserem erfolgreichen Bemühen ab, den Ver­kehr so sicher und umweltgerecht wie nur irgend mög­lich abzuwickeln. In diesem Sinne will die CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit dem neuen Verkehrsminister Dr. Ramsauer und dem Bundesministerium produktiv zusammenarbeiten und mit den Kollegen im Ausschuss lebhaft, aber sachlich um den besten Weg streiten.
 
In diesem Sinne freuen wir uns alle in unseren Frak­tionen auf eine neue Legislaturperiode.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Dirk Fischer

Foto: Laurence Chaperon
Dirk Fischer


Themen - A bis Z

*Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die kostenlose Verwendung der Bilder nur bei Quellenangaben möglich ist. Eine gewerbliche Nutzung sowie die Einstellung in externe Datenbanken bedarf unserer Genehmigung.
Mobilität muss für die Menschen bezahlbar bleiben