Hier startet die Suche.

Twitter Fraktion

Twitter Abgeordnete

  • Uwe Schummer: @DanniGustiono Nach der Wahl?
    26.05.2012 23:25 h
  • Tankred Schipanski: @StefanKaufmann Ich stimme in deinem Sinne ab! Bei der Wissenschaftspolitik sind wir ja auch auf einer Linie. Beste Grüße nach BW!
    26.05.2012 23:08 h
  • Dr. Stefan Kaufmann: @TSchipanski Kollege Schipanski ist ja heute Abend gar nicht zu bremsen hier :-) Und ich? Kann aufgrund techn. Panne ARD nicht empfangen ...
    26.05.2012 23:01 h
  • Tankred Schipanski: #esc2012 Netter Anschluss. Mein Anruf geht aber zugunsten der russischen Kekse oder doch Dänemark? Allen noch einen schönen Abend!
    26.05.2012 23:00 h
  • Tankred Schipanski: #esc2012 Der Beitrag der Ukraine lässt für die EM hoffen. Tragen die Männer in der Ukraine Röcke?
    26.05.2012 22:54 h

Hier startet der Seiteninhalt. Der Accesskey zur Rückkehr zum Seitenanfang ist die Ziffer 1.

Zum Seitenanfang
19.03.2010

Rudolf Henke

Eine Bürgerversicherung belohnt leistungslosen Wohlstand

Rede zum Gesundheitsetat




I.18) Beratung BeschlEmpf u Ber (8.A)
hier: Einzelplan 15
Bundesministerium für Gesundheit
- Drs 17/614, 17/623 -


Herr Präsident!
Verehrte Damen! Meine Herren!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
Lieber Herr Lauterbach, Sie waren jetzt vier Jahre lang in der Schmollecke der SPD-Fraktion.
 
(Dr. Karl Lauterbach [SPD]: Das wäre das erste Mal in meinem Leben gewesen!)
 
Vier Jahre lang haben Sie hinnehmen müssen, dass Ulla Schmidt die Gesundheitspolitik gestaltet hat. Sie hatten vier Jahre Zeit, sich auf den Zeitpunkt der Übernahme der gesundheitspolitischen Führungsrolle in der SPD vorzubereiten. Wie schlecht haben Sie sich eigentlich in den vier Jahren vorbereitet, um jetzt in dieser Haushalts­debatte eine solche Rede zu halten?
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Hier hätten Sie auftrumpfen können. Hier hätten Sie die ganze Kritik, die Sie seit einem halben Jahr vortra­gen, und Ihre Alternative beschreiben können.
 
(Dr. Karl Lauterbach [SPD]: Sie regieren doch! Wer stellt denn die Regierung? Regieren wir oder Sie? – Elke Ferner [SPD]: Sie regie­ren!)
 
Hier hätten Sie sagen können, wie Ihr Konzept einer Bürgerversicherung aussieht. Aber weder Sie erläutern Ihr Konzept einer Bürgerversicherung noch die Grünen noch die Linke. Sie tun nur eines: Sie versuchen, mit Blick auf den Muttertag, auf den Termin der nordrhein-westfälischen Landtagswahl,
 
(Elke Ferner [SPD]: Nein, das machen Sie!)
 
durch das Erzeugen von Verhetzungspotenzial Stim­mung zu machen, Punkte zu machen, eine unsachliche Debatte zu führen und in diese Wahlauseinandersetzung einzugreifen.
 
(Lachen bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Sie missbrauchen diese Haushaltsdebatte zum Wahl­kampf.
 
(Zuruf von der LINKEN: Wählerhetzer! – Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Populismus!)
 
Um das zu verdecken, arbeiten Sie mit semantischen Tricks, die unglaublich sind.
 
(Elke Ferner [SPD]: Nehmen Sie einmal ein Blutdruckmittel!)
 
Verehrter Herr Kollege Lauterbach, Sie können das eigentlich besser. Eigentlich sind Sie in der Lage, zu un­terscheiden.
 
(Ewald Schurer [SPD]: Sie scheinbar nicht! Sie nicht! Kein Vorschlag!)
 
– Ich bin sehr gut in der Lage, zu unterscheiden. – Ich habe mir genau gemerkt,
 
(Ewald Schurer [SPD]: Wieder nicht! Ein Wahnsinn!)
 
dass Herr Lauterbach hier behauptet und in den Mittel­punkt stellt, dass die Politik der Koalition darauf gerich­tet sei, den Ausstieg aus dem Solidarsystem herbeizu­führen.
 
(Elke Ferner [SPD]: Ja, natürlich!)
 
Ich sage Ihnen: Das, was Sie mit Ihrer Bürgerversiche­rung anstreben, ist die Vorbereitung auf einen Ausstieg aus dem Solidarsystem. Ich werde Ihnen jetzt erklären, warum.
 
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Herr Kollege, gestatten Sie vorher eine Zwischen­frage des Kollegen Lauterbach?
 
Rudolf Henke (CDU/CSU):
Ja, natürlich. Wenn mir das nicht von der Redezeit ab­gezogen wird, gerne.
 
Dr. Karl Lauterbach (SPD):
Herr Henke, ich bin konkret gewesen und habe ein paar Vorschläge gemacht. Aber hier ist niemand, der sich mit den Vorschlägen von Herrn Rösler beschäftigt hat. Tragen Sie doch Ihre eigenen Vorschläge vor,
 
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
 
ob positiv oder negativ, was auch immer. Aber ich bin doch noch nicht der Minister,
 
(Heiterkeit – Heinz Lanfermann [FDP]: Gott sei Dank! – Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Um Himmels willen! Dazu darf es niemals kommen!)
 
sondern Herr Rösler ist der Minister. Wo sind denn Ihre konkreten Vorschläge? Nennen Sie Ihre eigenen Vor­schläge. Wir regieren doch noch nicht, Herr Henke.
 
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
 
Rudolf Henke (CDU/CSU):
Lieber Herr Lauterbach, das, was Sie in den Mittel­punkt der Debatte stellen, ist doch die Frage,
 
(Zuruf von der SPD: Kommen jetzt mal Vorschläge?)
 
ob mit einem steuerfinanzierten Sozialausgleich,
 
(Elke Ferner [SPD]: Wer will den denn?)
 
wie er in allen Vorschlägen der Koalition und in der ge­samten Philosophie des Gesundheitsministers enthalten ist, oder mit einem beitragsfinanzierten Sozialausgleich besser auf die heutige Situation reagiert werden kann. Das, was Sie immer in den Vordergrund rücken, ist, dass Sie unter allen Umständen und egal zu welchen Kosten und Bedingungen am beitragsfinanzierten Sozialaus­gleich als dem einzigen Instrument festhalten wollen, dem Sie überhaupt attestieren, das Prädikat „solidarisch“ zu verdienen. Genau damit zementieren Sie eine finan­zielle Engführung dessen, was im Gesundheitswesen zu leisten ist.
 
Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie gesagt haben, es besteht Konsens darüber, dass wir eine Alterung der Be­völkerung zu verzeichnen haben und dass der demogra­fische Wandel seinen Preis verlangt. Ich bin Ihnen dank­bar dafür, dass Sie sagen, der medizinische Fortschritt führt dazu, dass das Gesundheitswesen teurer wird. Aber dann müssen Sie doch auch eine Antwort auf die Frage geben, wie Sie in dem von Ihnen propagierten Alterna­tivmodell einer Bürgerversicherung den Solidaraus­gleich verbessern wollen.
 
(Elke Ferner [SPD]: Sagen Sie doch erst einmal, wie hoch Ihre Kopfpauschale sein wird!)
 
Mit genau dieser Frage möchte ich mich jetzt gerne auseinandersetzen, weil sie die Kernfrage ist: Brauchen wir bei der Finanzierung der Gesundheitsversorgung eine Stärkung der steuerfinanzierten Anteile, oder brau­chen wir eine Konzentration allein auf die Beitragsfinan­zierung? Das ist die Kernfrage.
 
(Zuruf von der SPD: So ist es!)
 
Sie weigern sich natürlich, Ihr angeblich klug konstru­iertes Modell auch nur ein einziges Mal konkret zu be­schreiben,
 
(Elke Ferner [SPD]: Legen Sie doch auch mal etwas vor!)
 
weil Sie wissen, dass dieses Modell ohne Zukunft ist, wenn die Bürger erfahren, wie Ihr Modell konkret aus­sieht.
 
(Ewald Schurer [SPD]: Sie haben doch jetzt die Mehrheit! Sie müssen jetzt regieren! Aber Sie machen es nicht!)
 
Sie wissen, dass es verfassungsrechtlich völlig ausge­schlossen ist, eine Bürgerversicherung einzuführen, in der Abgaben erhoben werden, für die das Äquivalenz­prinzip verlassen wird. Aber Sie täuschen die Bürger, indem Sie sie darüber im Unklaren lassen.
 
(Beifall bei Abgeordneten der FDP – Elke Ferner [SPD]: Nein! Sie lassen die Bürger im Unklaren!)
 
Von der vermeintlich idealen Solidaritätsleistung in der Bürgerversicherung sind gerade die ausgenommen, denen es am besten geht, während gleichzeitig die durchschnittliche Belastung der mittleren Schichten weit stärker steigt, als es bei jedwedem einkommensunabhän­gigen Beitrag mit sozialem Ausgleich je der Fall sein könnte.
 
Wo wir soziale Verantwortung ernst nehmen, da set­zen Sie sich für ein Modell ein, das nichts und nieman­den so sehr schont wie den leistungslosen Wohlstand.
 
(Elke Ferner [SPD]: Ach! Das ist doch Quatsch!)
 
Mittwochs beklagen Sie hier den leistungslosen Wohl­stand, und freitags werben Sie mit Ihrem Eintreten für die Bürgerversicherung dafür, leistungslosen Wohlstand zu belohnen. Unsere Überzeugung ist, dass eine Zusatz­finanzierung, in der Steuermittel den Sozialausgleich or­ganisieren, eine stärkere Beteiligung derer sicherstellt, die auf der sonnigsten Seite des Lebens stehen. Das ist der Unterschied: Wir nehmen das Solidaritätsgebot ernst, aber Sie tun nur so, als nähmen Sie es ernst, und versuchen, ein Verwirrspiel zu spielen.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Elke Ferner [SPD]: Sie wollen den Sozialstaat platt­machen! Das ist die Wahrheit!)
 
Herr Lauterbach, vielleicht gestatten Sie mir, dass ich Ihnen in Erinnerung rufe, was die SPD-Fraktion zu Zei­ten Ihrer Vorgänger über die Bürgerversicherung gedacht hat:
Eine ganz entscheidende Frage bei der Bürgerversi­cherung ist, bis zu welchem Einkommen Beiträge gezahlt werden müssen.
(Dr. Karl Lauterbach [SPD]: Darum geht es heute doch überhaupt nicht! Es geht um Ihre Vorschläge!)
Hier gibt es die Überlegung, die Beitragsbemes­sungsgrenze deutlich anzuheben oder sie ganz auf­zuheben. Das wird uns aus verfassungsrechtlichen Gründen aber nicht gelingen. Man kann nicht die Beitragsbasis beliebig ausweiten, ohne die Leistun­gen anzupassen. Das hat das Bundesverfassungsge­richt in mehreren Urteilen deutlich gemacht. Daher wird die Grenze wohl in der Nähe des heutigen Be­trags … bleiben … Das heißt, auch bei einer Bür­gerversicherung werden die Gutverdienenden auf einen großen Teil ihres Einkommens keine Beiträge zahlen.
(Ulrike Flach [FDP]: So ist es! Das ver­schweigt die SPD!)
Besonders deutlich wird das Problem, wenn auch noch Zinsen oder Mieteinnahmen einbezogen wer­den. Davon sind dann nämlich nur die Bezieher von geringen und mittleren Einkommen betroffen. Die Reichen werden verschont. Das ist nicht das, was ich mir unter einer guten Bürgerversicherung vor­stelle.
Das hat Frau Schaich-Walch, damals stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, im Jahr 2003 erklärt. 
 
(Zuruf von der SPD: Fast zehn Jahre her!)
 
Daran hat sich nichts geändert.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Herr Kollege, Sie müssen bitte zum Ende kommen.
 
Rudolf Henke (CDU/CSU):
Ja. – Wir haben diese Debatte fortgeführt. Deswegen sind wir überzeugter denn je, dass es richtig ist, den Soli­darausgleich stärker auf Steuermittel abzustellen, als Sie es wollen.
 
(Widerspruch bei der SPD)
 
Das ist der konzeptionelle Unterschied, der in dieser De­batte deutlich wird.
 
(Zuruf von der SPD: Wieder nichts Neues!)
 
Ich bedanke mich sehr für die Aufmerksamkeit.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
 
 
Rudolf Henke

Foto: Andreas Herrmann
Rudolf Henke


Themen - A bis Z

*Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die kostenlose Verwendung der Bilder nur bei Quellenangaben möglich ist. Eine gewerbliche Nutzung sowie die Einstellung in externe Datenbanken bedarf unserer Genehmigung.
Eine Bürgerversicherung belohnt leistungslosen Wohlstand