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17.03.2010

Michael Brand

Effizienz und Einsatzfähigkeit der Bundeswehr für die Zukunft sichern

Rede zum Verteidigungsetat




I.11) Beratung BeschlEmpf u Ber (8.A)
hier: Einzelplan 14
Bundesministerium der erteidigung
- Drs 17/613, 17/623 -


Sehr geehrte Frau Präsidentin!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
Es ist jedem hier im Haus wie auch allen, die uns zuschauen, sehr bewusst, dass der Haushalt 2010 ein besonders schwieriger in einem besonders schwierigen Jahr ist. Ich sage das auch im Hinblick auf manche Zwi­schenfragen, Kurzinterventionen und sonstige Äußerun­gen hier im Plenum: Der Haushalt erfüllt die Grund­pflicht, die Bundeswehr mit den notwendigen Mitteln auszustatten, und zwar im Sinne der Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten und im Übrigen auch der Si­cherheit unseres Landes.
 
Lieber Herr Kollege Arnold, lieber Herr Kollege Kahrs, ich sage Ihnen sehr klar: Unterlassen Sie Ihre Krokodilstränen! Denn eins ist wahr: Das Geld ist knapp. Die SPD hat selbst Einsparungen gefordert.
 
(Norbert Barthle [CDU/CSU]: So ist es! Da­rüber schweigen die!)
 
Lieber Herr Kollege Arnold, das, was Sie gerade über Verunsicherungen gesagt haben, will ich Ihnen gerne zu­rückgeben. Sie versuchen hier, Verunsicherung zu schü­ren, indem Sie erstens dem Minister unterstellen, er wolle sich wegducken. Zweitens war Ihre Strategie in den vergangenen Wochen im Untersuchungsausschuss, einen Minister, der erfolgreich ist, der nah bei den Solda­ten ist, verantwortlich zu machen für Ereignisse, die vor seiner Amtszeit lagen. Hören Sie damit auf, denn damit verunsichern Sie Soldaten!
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Omid Nouripour [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Das kann er doch auch selber sagen!)
 
Zu den generellen Rahmenbedingungen ist bereits viel gesagt worden. Zum Verteidigungshaushalt bleibt als zentrale Botschaft festzuhalten: Der Verteidigungs­etat ist so sparsam wie möglich und stellt Mittel bereit, wo es nötig ist.
 
Ich würde in den nächsten Minuten gerne auf einige Punkte eingehen, an denen der Minister in den letzten Tagen und Wochen erfolgreich gearbeitet und bei denen er gute Ergebnisse erzielt hat. Beim Haushalt 2010 geht es natürlich auch um die Frage: Wie wird eigentlich der nächste Haushalt, der Haushalt 2011, in schwieriger Zeit aussehen? Deswegen müssen Prioritäten gesetzt werden, wie Kollege Otte zu Recht gesagt hat.
 
Der erste Punkt ist die Transformation einer Armee im Einsatz. Die Bundeswehr ist seit langem eine Armee im Einsatz und im Umbruch. Die Transformation der Bundeswehr bleibt ein komplexer Prozess. Wir als CDU/ CSU begrüßen nachdrücklich, dass der Bundesverteidi­gungsminister die Diskussion über die zukünftige Struk­tur der deutschen Streitkräfte eingeleitet hat, um Effi­zienz und Einsatzfähigkeit der Bundeswehr für die Zukunft zu sichern. Wir wissen um die Bedeutung der eingesetzten Strukturkommission, und wir bleiben als CDU/CSU, Kollege Nouripour, offen für eine sehr inten­sive Erörterung der Struktur mit allen, die sich der Si­cherheit des Landes und der Einsatzfähigkeit der Bun­deswehr verpflichtet fühlen.
 
(Johannes Kahrs [SPD]: Aber kürzen bei den Soldaten um 450 Millionen! Unsäglich!)
 
– Herr Kollege Kahrs, manchmal nutzt es auch, zuzuhö­ren statt nur zu rufen.
 
(Karin Strenz [CDU/CSU]: Das nützt bei dem nichts mehr!)
 
Der zweite Punkt ist die Wehrpflicht als Anker. Bei der Umsetzung der sechsmonatigen Wehrpflicht können wir erste Vorschläge verzeichnen – einige waren ja ges­tern Abend beim Reservistenverband –, was wir sehr be­grüßen. Wehrpflichtige sollen eine moderne, intensive und in einem guten Sinne spannende, das heißt inhalts­reiche, Grundausbildung durchlaufen.
 
(Johannes Kahrs [SPD]: Sechs Monate sind zu kurz!)
 
Skeptikern, Herr Kahrs, kann mitgeteilt werden: Das hat nichts mit Intensivpraktikum oder Abenteuer zu tun, sondern mit einer intensiven und fordernden Grundaus­bildung für einen sehr verantwortlichen Dienst.
 
(Johannes Kahrs [SPD]: Das ist einfach zu kurz und unsinnig! Unverantwortlich!)
 
Zehntausende junger Menschen, denen dieser Dienst je­des Jahr abverlangt wird, können sich sicher sein, dass sie mit ihrem Dienst und mit dieser Ausbildung einen sehr wichtigen Beitrag zur Sicherheit unseres Landes leisten. Wir als CDU/CSU bleiben dabei: An der Wehr­pflicht wird nicht gerüttelt. Sie ist und bleibt ein legiti­mer und moderner Anker der Bundeswehr in der Bevöl­kerung.
 
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord­neten der FDP – Johannes Kahrs [SPD]: Das ist doch Unsinn!)
 
Der dritte Punkt ist das Thema Beschaffung. Zu die­sem Themenbereich ist festzuhalten, dass wir natürlich wissen, dass in Zeiten knapper Kassen nicht jede Be­schaffung möglich ist, die auch wünschenswert wäre. Allerdings – auch das gehört dazu – gilt nach wie vor der Grundsatz: Was die Bundeswehr im Einsatz braucht, das muss sie und das wird sie auch weiterhin erhalten. Dass wir durch vordringliche Beschaffungsmaßnahmen die passive Schutzfähigkeit unserer Truppe in Afghanistan – Stichwort ist hier der Dingo; der Wehrbeauftragte hat dazu einiges in seinem Bericht gesagt – während des lau­fenden Einsatzes kontinuierlich steigern, ist dabei eine unabdingbare Notwendigkeit.
 
Ich will zum vierten Punkt, zum Thema Afghanistan kommen. Lassen Sie mich wegen der Bedeutung dieses Themas einige Anmerkungen machen.
 
(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Es ist so bedeutend, dass die Kanzlerin heute Morgen kein Wort dazu gesagt hat!)
 
Ich möchte zunächst festhalten: Wir tragen als CDU/ CSU gemeinsam mit der großen Mehrheit des Hauses die Londoner Strategie der Verstärkung militärischer und ziviler Anstrengungen in Afghanistan voll mit. Dazu – lieber Herr Kollege Kahrs, nicht umdrehen und rufen, sondern zuhören – zählt auch der zusätzliche Kostenan­teil, den die Aufstockung unserer Maßnahmen im Vertei­digungsetat ausmacht.
 
(Johannes Kahrs [SPD]: Dem haben wir zuge­stimmt!)
 
Hier verwenden wir Steuergelder dazu, den Frieden in Afghanistan zu erreichen und die Übergabe der Verant­wortung für Afghanistan an die Afghanen abzusichern. Das ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass wir nach dieser Übergabe unsere Truppen endlich abziehen kön­nen. Diesen Abzug wollen wir allerdings nicht über­stürzt, sondern koordiniert und ehrenhaft vollziehen. Das heißt, wir wollen die Sicherheit der afghanischen Zivil­bevölkerung in den Händen gut ausgebildeter afghani­scher Sicherheitskräfte wissen.
 
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich eine weitere offene Bemerkung zu diesem nach wie vor sehr wichtigen Thema deutscher Sicherheitspolitik ma­chen. Dass der Afghanistaneinsatz in vieler Hinsicht mehr Opfer gekostet hat, als dies zu Beginn abzusehen war, ist inzwischen allen klar geworden. Das gilt es, of­fen anzusprechen. Ich sage dies auch als Abgeordneter aus einem Wahlkreis, der zu Hause mit den Eltern von Verwundeten und Gefallenen dieses Einsatzes gespro­chen hat. Dass die Menschen in unserem Land die Lage in Afghanistan als Krieg empfinden, kann ich gut nach­vollziehen. Wenn hier jetzt ein völkerrechtlich anderer Begriff verwendet wird, ändert dies an der Einschätzung der Menschen nichts. Wenn es also so ist, dass die Men­schen die Bundeswehr in Afghanistan im Krieg sehen, wie sie es sagen, dann hat dies für uns klare Konsequen­zen.
 
Eine Konsequenz ist, dass wir den Bürgern die Notwendigkeit eines militärischen Einsatzes und das Interesse unseres eigenen Landes an diesem Einsatz überzeugend erklären müssen. Ich bin dem Bundesver­teidigungsminister sehr dankbar, dass er diese Aufgabe in vorderster Front übernimmt. Aber es ist auch die Auf­gabe des Parlamentes. Es geht für uns nicht nur darum, die Herzen und Köpfe der Afghanen vor Ort zu gewin­nen, wie es die Strategie der Londoner Konferenz und der ISAF vor Ort ist. Es geht auch jeden Tag darum, die Zustimmung der Menschen hier zu Hause für einen Ein­satz und zur Rückenstärkung für unsere Soldaten zu ge­winnen. Auch ist die Initiative des Bundestages zur Nachbetreuung von kriegstraumatisierten Angehörigen der Bundeswehr ein klares Indiz dafür, dass wir längst bei einer realistischen Bewertung dessen angekommen sind, was sich in Afghanistan abspielt.
 
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Herr Brand, möchten Sie eine Zwischenfrage von Herrn Nouripour zulassen?
 
Michael Brand (CDU/CSU):
Zu ihm will ich jetzt kommen. Deswegen muss er lei­der zuhören. Er hat vorhin den Wehrbeauftragten ange­sprochen. In diesem Zusammenhang will ich sehr deut­lich machen, dass alle Fraktionen diesen Weg nicht nur beschritten haben, sondern stark unterstützen. Das gilt auch für den Wehrbeauftragten.
 
Lieber Kollege Nouripour, wir sollten nicht das kleine Karo ins Spiel bringen, wenn es um das Amt des Wehr­beauftragten geht. Ich will an dieser Stelle ausdrücklich sagen, dass der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundes­tages, Herr Robbe, seinen Job ordentlich und gut ge­macht hat. Ich denke, das kann man unumwunden so sa­gen. Lieber Herr Robbe, ich bin Ihnen sehr dankbar für das, was Sie in den letzten Jahren geleistet haben und was Sie in dieser Woche angesprochen haben.
 
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Omid Nouripour [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Aber?)
 
– Nur die Schlussfolgerungen, Herr Kollege Nouripour, sind andere.
 
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Herr Kollege, Sie müssen jetzt zum Schluss kommen.
 
Michael Brand (CDU/CSU):
Ich komme zum Schluss.
 
Es geht um das Thema Afghanistan. Der Deutsche Bundestag insgesamt ist stolz auf die Frauen und Män­ner, die in den Dörfern und Städten Afghanistans den zi­vilen Kräften mit ihrem Einsatz Schutz bieten und damit die zivile Entwicklung überhaupt erst möglich machen. Ich empfehle den Linken, bei dieser Passage besonders gut zuzuhören. Wir stehen hinter jedem Euro, den wir für die Frauen und Männer in diesem schweren und ver­antwortungsvollen Einsatz bereitstellen. Das wird auch unter schwierigen Rahmenbedingungen für den Haushalt 2011 gelten.
 
(Johannes Kahrs [SPD]: Vielleicht kürzen Sie dann nicht ganz so viel Geld!)
 
In diesem Sinne wünsche ich den Soldatinnen und Sol­daten allzeit gute Hand, Sicherheit im Einsatz und im­mer eine gesunde Rückkehr.
 
Vielen Dank.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
 
 
 
 
Michael Brand

Foto: CDU/CSU-Fraktion
Michael Brand


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