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07.04.2011

Franz Obermeier

Dem Klima ist mit Sicherheit nicht gedient, wenn wir Produktion und Fertigung aus Deutschland in andere Länder vertreiben

Rede zum Emissionshandel




7.) Erste Beratung Bundesregierung
Gesetz zur Anpassung der Rechtsgrundlagen für die Fortentwicklung des Emissionshandels
- Drs 17/5296 -


Herr Präsident!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
Vielen Dank, Herr Hempelmann, für Ihre Ausführungen, zumindest für den größten Teil, in denen Sie die Debatte über den Emissionshandel einigermaßen realistisch dar­gestellt haben. Der Verweis auf den Bundesumweltmi­nister ist nicht so recht zu verstehen, wenn ich die Prä­senz Ihrer Fraktionskolleginnen und -kollegen in dieser Debatte betrachte. Vorhin waren nur fünf Kollegen an­wesend, jetzt zähle ich sechs. In der SPD-Fraktion wird das Thema offenbar auch nicht als so wichtig angesehen.
 
Der Emissionshandel wurde von uns in der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion seit vielen Jahren als das In­strument angesehen, das am geeignetsten ist, unsere CO2-Minderungsziele zu erreichen. Die Begründung da­für ist, dass er ein wettbewerbliches Instrument ist.
 
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage?
 
Franz Obermeier (CDU/CSU):
Ja, selbstverständlich.
 
Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:
Bitte schön.
 
Dr. Matthias Miersch (SPD):
Herr Kollege Obermeier, sind Sie bereit, zur Kenntnis zu nehmen, dass die SPD-Bundestagsfraktion parallel zu dieser Aussprache und zur ersten Lesung dieses Gesetz­entwurfes ein seit langem anberaumtes Gespräch mit Zeitzeugen aus Tschernobyl führt und ein großer Teil un­serer Umweltpolitiker an diesem Gespräch teilnimmt?
 
(Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]: Das ist dafür aber doch keine Begründung! Plenum geht vor! Wo kommen wir denn da hin? Der Minister hat auch wichtige Termine! Der geht ja auch nicht Kaffee trinken! – Gegenruf des Abg. Frank Schwabe [SPD]: Wo ist er denn, der Minister?)
 
Franz Obermeier (CDU/CSU):
Das nehme ich zur Kenntnis.
 
Es geht um die Frage, wie wir unsere Klimaziele er­reichen und die Minderung des Umfangs der CO2-Emis­sionen so gestalten, dass wir die anderen Ziele, die wir verfolgen, die Ziele volkswirtschaftlicher Natur, eben­falls erreichen.
 
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich sage Ihnen zum wiederholten Male, dass Deutschland hier eine ganz be­sondere Rolle spielt. Dem Klima ist mit Sicherheit nicht gedient, wenn wir Produktion und Fertigung aus Deutschland in andere Länder vertreiben, indem wir die Produktionskosten erhöhen und unsere Wettbewerbsfä­higkeit im Allgemeinen so sehr schwächen, dass die Pro­duzenten an andere Standorte gehen. Rolf Hempelmann hat die Themen, die relevant sind, schon angesprochen. Es geht um Schlüsselindustrien in Deutschland, die wir im Blick haben müssen. Ich bin der Bundesregierung ausgesprochen dankbar, dass auf diese Belange in den Verhandlungen innerhalb Deutschlands, aber auch inner­halb der Europäischen Union Rücksicht genommen wurde.
 
Ganz konkret geht es beispielsweise um die Abfall­verwertung. Bei der Abfallverwertung entstehen Kosten. Diese Kosten sind von den Verarbeitern, den Nutzern, beispielsweise von der Verpackungsindustrie, zu tragen. Es kommt sehr wohl darauf an, wie man damit umgeht. Eine Lösung ist, die klassischen Müllverbrennungsanla­gen davon auszunehmen. Ich könnte mit der Lösung le­ben, dass die Zertifikatspflicht auch dort zur Geltung kommt, wo Ersatzbrennstoffe industriell eingesetzt wer­den. Denn hier geht es ganz konkret um die Produktion und die wirtschaftliche Verwertung von Abfällen.
 
Was den Zertifikatehandel betrifft, ist dieser Aspekt von eminenter Bedeutung, weil die bundesdeutsche Volks­wirtschaft ohnehin mit einer Wettbewerbsverzerrung be­sonderen Ausmaßes zu kämpfen haben wird, wenn die Dinge erst einmal ins Laufen gekommen sind. Denn auch innerhalb der Europäischen Union gibt es Wettbewerbs­länder, die eine völlig andere Energieproduktionsstruktur aufweisen, deren Stromwirtschaft beispielsweise deutlich weniger CO2 emittiert, als es in Deutschland der Fall ist. In Anbetracht der Strategie des Energiekonzeptes und der Neuerungen, die sich aus den Lehren, die wir aus den Er­eignissen in Japan ziehen, möglicherweise ergeben, müs­sen wir uns auch mit anderen Emissionsstrukturen befas­sen, als wir es uns noch vor wenigen Monaten vorgestellt haben.
 
Ich bitte die Bundesregierung, bei den Verhandlungen weiterhin sehr behutsam vorzugehen, was die Emissio­nen im Allgemeinen betrifft. Des Weiteren verweise ich auf die am kommenden Montag stattfindende Anhörung, in der wir mit den Experten noch einmal darüber disku­tieren wollen, wie wir den Zertifikatehandel im Interesse unseres Landes so gestalten können, dass die nachteili­gen Wirkungen möglichst gering bleiben.
 
Herzlichen Dank.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
 
 
 
 
 
 
Franz Obermeier

Foto: CDU/CSU-Fraktion
Franz Obermeier


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Dem Klima ist mit Sicherheit nicht gedient, wenn wir Produktion und Fertigung aus Deutschland in andere Länder vertreiben