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17.03.2011
Volker KauderJapan hat die Energiepolitik verändert
Die dreifache Katastrophe in Japan hat die Energiepolitik in Deutschland verändert. Volker Kauder sagt in seinem Podcast: Eine Diskussion muss in Europa und in der ganzen Welt geführt werden: „Welches Restrisiko wollen wir uns bei der Kernenergie leisten?“
Hallo, hier ist wieder Volker Kauder und ich berichte aus meinem politischen Tagebuch.
Wenn man abends fernsieht und morgens die Zeitungen aufschlägt, hält man immer wieder aufs Neue den Atem an, wenn man die Bilder aus Japan sieht.
Unvorstellbares Leid, das man kaum ertragen kann, aus der Ferne. Wie muss es den Menschen gehen, die in Japan jetzt unmittelbar betroffen sind. Die Bundesrepublik Deutschland hilft, wo sie kann. THW ist in Japan.
Aber auch wir haben nach Japan eine Diskussion in unserem Land bekommen: Kann mit der Kernenergie so weitergemacht werden wie bisher? Die Bundeskanzlerin hat mit Unterstützung der Koalitionsfraktionen erklärt, dass nach diesem unglaublichen Unglück nichts mehr so sein wird wie vorher.
Und wir werden natürlich unsere Kernkraftwerke überprüfen und uns fragen: Was müssen wir aus der Katastrophe in Japan lernen? Und damit dies auch wirklich überzeugend ist, haben wir uns entschlossen, die ältesten Kernkraftwerke für diese Überprüfung vom Netz zu nehmen.
Ja, wir wollen wirklich alles daran setzen, wie wir es schon in unserem Energiekonzept im vergangenen Jahr beschlossen haben, aus der Kernenergie auszusteigen uns ins Zeitalter der erneuerbaren Energien einzusteigen. Allerdings heißt dies nun kräftig die erneuerbaren Energien auszubauen und dazu ist notwendig, neue Leitungen zu legen.
Es ist bemerkenswert, dass der Fraktionsvorsitzende der Grünen Jürgen Trittin im Bundestag erklärt hat, ja man werde sich dafür einsetzen, dass diese Leitungen gebaut werden, da werde es noch schwere Diskussionen in den eigenen Reihen geben.
Ich freue mich über diese Aussage, den bisher ist vielfach der Ausbau des notwendigen Netzes am Widerstand gescheitert. Wenn jetzt alle politischen Gruppierungen an einem Strang ziehen, kommen wir vielleicht doch schneller voran. Und natürlich werden wir die Zeit des Moratoriums der Denkpause nutzen, um uns mit allen Fragen der Energieversorgung in Deutschland noch einmal intensiv zu beschäftigen.
Japan hat die Energiepolitik verändert und ich meine, es darf nicht nur in Deutschland die Diskussion geben, sondern sie muss in Europa und in der ganzen Welt geführt werden. Wir müssen uns eine Antwort auf die Frage geben: Welches Restrisiko wollen wir uns bei der Kernenergie leisten?
Wir müssen aber auch wissen, dass wir noch lange nicht so weit sind, dass wir aus Erneuerbarer Energie unseren Strombedarf decken können, dass die Industrie auf Strom angewiesen ist, um die Arbeitsplätze auch zu erhalten und dass wir natürlich auch unser Klima schützen müssen und deshalb ein Ausbau bei der Kohle nicht möglich ist.
Es wird also spannende Wochen in den der nächsten Zeit geben. Und wir müssen Antworten finden, zu denen wir jetzt in besonderer Weise herausgefordert sind.
Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.