Die Gruppe der Frauen, kurz GdF genannt, besteht aus allen Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Insgesamt sind in der 17. Legislaturperiode von den 237 Mitgliedern 45 Frauen, das sind rund 19 Prozent unserer Gesamtfraktion.
UnsereArbeit steht in dieser Legislaturperiode unter dem Motto „Informieren – Diskutieren – Vernetzen“. Wir wollen die Interessen von Frauen bei politischen Weichenstellungen auf allen Gebieten einfließen lassen, denn es gibt kein Thema, das Frauen nicht betrifft. Deshalb muss die Meinung von Frauen gehört und bei Entscheidungsfindungen berücksichtigt werden. Nur so wird Politik von allen Teilen der Bevölkerung verstanden und akzeptiert.
Wir sind in allen Arbeitsgruppen der Fraktion und in allen Ausschüssen des Deutschen Bundestages vertreten. Von den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden sind zwei weiblich, eine davon ist Landesgruppenvorsitzende. Zwei Kolleginnen sind Ausschussvorsitzende, sechs Sprecherin einer Arbeitsgruppe, eine Kollegin ist Obfrau, eine parlamentarische Geschäftsführerin, eine Vorsitzende eines Untersuchungsausschusses. Acht Frauen gehören der Bundesregierung an, als Ministerin oder Staatssekretärin. Wir sind stolz auf unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, die als Mitglied der Gruppe der Frauen weltweit und täglich beweist, was Frauen können.
In dieser Legislaturperiode haben wir ein Netzwerk mit Frauen aus der Politik, den Medien, der Wirtschaft, Wissenschaft und der Kultur eingerichtet, um über den "Tellerrand" der täglichen Politik hinaus Akzente zu setzen. Es hat mittlerweile einen beachtlichen Stellenwert in der "Berliner Szene".
Wir treffen uns regelmäßig mit unseren FDP-Kolleginnen, um gemeinsame Positionen auszutauschen, aber auch, um sich persönlich besser kennenzulernen und damit einen Beitrag zu einem guten Koalitionsklima zu leisten.
Selbstverständlich halten wir engen Kontakt zu den Mitgliedern unserer Regierung: Wir waren Gast unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel, um uns zu aktuellen Themen auszutauschen. Mehrmals war unsere Frauenministerin Kristina Schröder Gast der Gruppe, und wir konnten sie in ihrem Ministerium besuchen. Intensive Gespräche führten wir bei Besuchen mit Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesministerin der Justiz, mit Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung sowie mit Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt.
Mit unserem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder gibt es einen regelmäßigen Austausch über unsere Aktivitäten. Er ist "ständiger Gast" unserer Veranstaltung "Girls Day", mit dem wir jungen Mädchen Mut machen wollen, auch in sogenannte "Männerberufe" zu gehen.
Grundlage unserer Arbeit ist der Koalitionsvertrag: Was fordert er für Frauen? Wo können wir durch Beschlüsse Weichen richtig stellen? Wie können wir gegebene Zusagen umsetzen? Zur Untermauerung unserer Beschlüsse laden wir regelmäßig Experten ein, die uns beraten und praxisnahe Hinweise geben.
Schwerpunkte unserer Arbeit waren die Themen Betreuungsgeld, Frauen in Führungspositionen, Entgeltgleichheit, Frauen in der Arbeitswelt (Minijobs, Mindestlöhne, Halbtagsarbeit), Zwangsprostitution, Verfolgte Christinnen, Frauen und Gesundheit (Mutter-Vater-Kind-Kuren, Gebärmutterhalskrebs, das Achte Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (8. GWB-Novelle) und seine Auswirkungen auf die Gesundheitsvorsorge für Frauen), Riester-Rente, Unterhaltsrecht und Vertrauliche Geburt.
Über die Fraktion hinaus bekannt geworden ist die Gruppe der Frauen mit ihren Beschlüssen zu den Themen "Betreuungsgeld" und „Mindestbeteiligung von Frauen in Führungsebenen“, kurz Frauenquote genannt.
Zum Betreuungsgeld erläuterten uns u.a. die bayerische Staatsministerin Christine Haderthauer, der ehemalige Hamburger Senator Dietrich Wersich und die ehemalige nordrhein-westfälische Staatssekretärin Marion Gierden-Jülich die familienpolitischen Förderinstrumente ihrer Regierungen.
Auf Grundlage der gesammelten Erkenntnisse führten wir eine Umfrage unter den Frauen zum Betreuungsgeld durch: Eine sehr große Mehrheit sprach sich gegen eine reine Bargeldlösung aus, dafür forderten sie ein variables Gutscheinsystem für Rentenzahlungen, einen kapitalisierten Pflegezuschuss oder Bildungsgutscheine für einen erleichterten Wiedereinstieg in den Beruf. Danach sollten nur diejenigen nachhaltig unterstützt werden, die für die Erziehung ihres Kindes die Berufstätigkeit unterbrechen.
Zwischen CDU und CSU konnte nun ein Kompromiss erzielt werden, der u.a. die Wahl zwischen einer Barauszahlung und einer Einzahlung in die Riester-Rente vorsieht. Damit würde eine zentrale Forderung der Gruppe der Frauen, nämlich Mütter auch nachhaltig zu unterstützen, erfüllt.
Im Juli 2010 haben wir nach einer Anhörung von Experten eine Mindestbeteiligung für Frauen in Führungspositionen und Aufsichtsräten gefordert: Die börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen sollen durch Selbstverpflichtungen bis zum Jahr 2014 den Frauenanteil in diesen Positionen auf mindestens 30 Prozent steigern. Wird dies nicht umgesetzt, greift eine gesetzliche Regelung, die vorsieht, dass bis 2018 der Frauen-Anteil in Führungspositionen und in Aufsichtsräten mindestens 30 Prozent beträgt.
Durch unsere Aktivitäten haben wir die Diskussion um mehr Frauen in Führungspositionen und um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in die Vorstandsetagen verlagert. Was hat das Bemühen gebracht? Es ist etwas passiert: Der Anteil von Frauen in den DAX-Aufsichtsräten ist von 2006 bis heute von 11,7 Prozent auf 19,4 Prozent gestiegen. Als wir unseren Beschluss fassten, gab es eine Frau in den DAX-Vorständen. Ende des Jahres werden es 15 sein. Aber wir haben noch lange nicht unser Ziel erreicht und fordern weiterhin eine gesetzliche Regelung.
Stand: November 2012