Volker Kauder beschäftigt in dieser Woche die viel zu hohe Gewaltbereitschaft junger Menschen. "Wir dürfen das nicht einfach hinnehmen", sagt der Fraktionsvorsitzende in seinem Podcast.
Hallo, hier ist wieder Volker Kauder und ich berichte aus meinem politischen Tagebuch.
In dieser Woche ist eine Mitarbeiterin unserer Bundestagsfraktion morgens mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Als sie aus dem Bus aussteigen und in einen anderen Bus einsteigen wollte, hat ihr eine Gruppe Jugendlicher den Weg verstellt.
Sie bat darum, Platz zu machen, damit sie ihren Bus erreichen kann und bekam als Antwort einen Schlag auf den Kopf. Als sie fragte, was dies soll, kam blitzschnell eine Faust, die ihr mitten ins Gesicht schlug, dass die Backe aufplatzte, das Auge anschwoll, sie zu Boden stürzte und die Brille davonflog. Kann’s das geben? Oder ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass offenbar bei jungen Leuten, deutschen – aber auch Jugendlichen und Heranwachsenden mit Migrationshintergrund – eine viel zu hohe Gewaltbereitschaft herrscht?
Im konkreten Fall vermutete meine Mitarbeiterin, dass jugendliche Ausländer sie geschlagen hätten.
Dies dürfen wir nicht einfach hinnehmen! Es wächst der Unmut in einer Gesellschaft, in der junge Leute Ältere und Schwächere einfach niederschlagen können und dann so getan wird, als ob – nun ja – man das eben hinnehmen muss.
Ich habe im Deutschen Bundestag in dieser Woche darauf hingewiesen, dass es eine Reihe – wie mir gesagt wird –junger Leute aus Familien mit Migrationshintergrund gibt, die einfach der Schulpflicht nicht nachkommen und die so keine richtige Perspektive für das Leben erhalten.
Wir dürfen das nicht einfach hinnehmen! Es ist im Interesse junger Menschen, dass wir sie darauf hinweisen, was in einer Gesellschaft akzeptiert und was nicht akzeptiert wird! Es ist im Interesse dieser jungen Menschen, dass sie erzogen werden, ihrer Verpflichtung nachzukommen, in die Schule zu gehen und dass sie keine Gewalt einsetzen!
Wenn wir hier einfach zur Tagesordnung übergehen, dann werden sie sich ermutigt und ermuntert fühlen. Ich bin froh über jeden jungen Menschen, der in unserem Land ist, der in unserem Land leben will und die Zukunft gemeinsam gestalten will, der also dazu beiträgt, dass er selber und die Gesellschaft vorankommt. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass es junge Menschen gibt, die gewaltbereit sind und so tun, als ob dies selbstverständlich und folgenlos sei.
Ich rate dringend, dass wir ernsthaft gegensteuern, sonst wächst in unserer Gesellschaft viel Unbehagen gegen einen Staat, der vor solchen Angriffen nicht schützt!
Aber es muss auch klar und deutlich angesprochen werden, was falsch läuft und was wir so nicht akzeptieren dürfen. Wir dürfen nicht wegschauen und wir dürfen die Dinge nicht kleinreden. Und deshalb erwarte ich mir jetzt eine Debatte darüber, was getan werden muss – und da müssen auch die Eltern ihren Beitrag leisten. Es geht nicht, dass Eltern so tun, als ob sie für das, was ihre Kinder machen, keine Verantwortung tragen. Das gilt für deutsche und für Eltern mit Migrationshintergrund.
In diesem Sinne wünsche ich uns ein friedliches Wochenende.