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15.12.2011


Der demographische Wandel - eine Jahrhundertherausforderung

Kongress der Unionsfraktion – Jedes Lebensalter in Würde gestalten




Bis zum Jahr 2060 wird die Bevölkerung in Deutschland auf 65 Millionen Menschen schrumpfen; jeder Dritte wird dann über 65 Jahre alt sein. Der demographische Wandel führt zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, deren Gestaltung eine legislaturübergreifende Aufgabe sein wird. Über die "Jahrhundertherausforderung" des demographischen Wandels diskutierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft vergangene Woche auf einem Kongress im Reichstag, zu dem die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eingeladen hatte.


Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich stellte Erkenntnisse aus einem Ende Oktober vorgelegten Demographiebericht dar: Die Menschen werden immer gesünder älter, die Geburtenrate ist nur langfristig zu beeinflussen, und Zuwanderung ist kein Allheilmittel, um den Rückgang der Bevölkerung auszugleichen. Er präsentierte erste Überlegungen der ressortübergreifenden Demographiestrategie der Bundesregierung, die im Frühjahr 2012 verabschiedet werden soll. Ziel soll die Förderung von Wachstums- und Wettbewerbsperspektiven bei Wahrung der sozialen Gerechtigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts sein. Professor Andreas Kruse vom Institut für Gerontologie der Universtität Heidelberg und Vorsitzender der 6. Altenberichtskommission der Bundesregierung verwies auf die Potenziale des fortgeschrittenen Alters am Beispiel von Johann Sebastians Bach, der gerade in seiner letzten Lebensphase über eine große Schaffenskraft verfügte. Kruse betonte, es entspreche dem christlichen Verständnis, die Würde des Menschen in jeder Lebensphase und gerade im Alter zum Ausgangspunkt politischer Betrachtungen zu machen. Zum Problem der niedrigen Geburtenrate in Deutschland merkte er an, dass gerade Zeitprobleme Paare daran hinderten, mehr Kinder zu bekommen. Die ältere Generation jedoch habe Zeitressourcen, die sie gerne für ihre eigenen, aber möglicherweise auch für fremde Enkel einsetzen würde.

 

Frühkindliche Bildung im Fokus

Die niedersächsische Integrations- und Sozialministerin Aygül Özkan widmete sich dem Aspekt der Integration von Migranten. Angesichts der Tatsache, dass bei den jüngsten Geburtsjahrgängen bereits 30 Prozent der Kinder, in Städten sogar 40 Prozent einen Migrationshintergrund haben, komme der Integrationspolitik von Bund, Ländern und Kommunen eine zunehmend wichtige Aufgabe zu, sagte die Ministerin. Ihre eigene Erfahrung habe ihr gezeigt, dass die deutsche Sprache und die aktive Teilnahme in der Gesellschaft entscheidend für eine erfolgreiche Integration seien. Als Kind mit Migrationshintergrund habe sie schon ab dem vierten Lebensjahr den Kindergarten besucht. Ohne diese Förderung und die Unterstützung ihrer Eltern hätte sie vermutlich nicht den Lebensweg beschreiten können, den sie gewählt habe. Die frühkindliche Bildung müsse also im Fokus der Politik stehen, wenn Integration erfolgreich sein solle, schlussfolgerte Aygül Özkan. Auf die Kinder mit Migrationshintergrund könne die Gesellschaft schon allein vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Fachkräftemangels nicht verzichten.

 

Erfahrungen Älterer nutzen

In der Podiumsdiskussion zu den Chancen Älterer am Arbeitsmarkt betonten die Teilnehmer die Bedeutung von Fort- und Weiterbildung. Es sei zentral, diese Förderung allen Berufsgruppen und nicht nur Akademikern zugute kommen zu lassen. Der Personalchef des BMW-Werkes Leipzig, Jens Gerhardt, berichtete von den positiven Erfahrungen, die sein Unternehmen mit der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer gemacht habe: Das Erfahrungswissen und Pflichtbewusstsein älterer Beschäftigter sei ein wesentlicher Faktor für die Erfolge des Produktionsstandortes in Sachsen.

Übereinstimmung herrschte bei vielen Beteiligten in der Ansicht, dass die Chancen, die mit der höheren Lebenserwartung verbunden sind, genutzt werden sollten. Der Unionsfraktionsvorsitzende Volker Kauder mahnte, eine alternde Gesellschaft dürfe nicht statisch werden, sondern müsse sich ihre Dynamik und die Freude an der Innovation erhalten.

Herausforderung demographischer Wandel

Foto: dark_ghetto28, CC BY 2.0
Herausforderung demographischer Wandel


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