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19.08.2010
Ernst-Reinhard BeckBeck: Zentrale Errungenschaft der Bürgerwehrpflicht nicht ohne Not aufgeben
Gastbeitrag in der Leipziger Volkszeitung
Ernst-Reinhard Beck widmet sich in einem Gastbeitrag für die Leipziger Volkszeitung der Frage: Soll die Wehrpflicht bleiben? Der verteidigungspolitische Sprecher ist dafür – aus staatspolitischen Gründen – aber auch aus pragmatischen. Beck befürchtet, dass mit dem Aussetzen der Wehrpflicht aus der Armee in der Mitte der Gesellschaft eine Organisation am Rande werde. Außerdem: „Keiner unserer alliierten Freunde, die die Wehrpflicht abgeschafft haben, konnte mir bestätigen, dass dies zu Einsparungen geführt hätte.“
Die Bundeswehr ist bewusst als Wehrpflichtigenarmee aufgestellt worden. Es ging bei ihrer Gründung nicht nur um den schnellen Aufwuchs der Streitkräfte und eine glaubhafte Verteidigung gegenüber dem Warschauer Pakt. Nein, die Schöpfer der Bundeswehr wollten aus den Erfahrungen der Geschichte die Armee in der Bevölkerung verankern und eine gesellschaftliche Abschottung wie bei Reichswehr und Wehrmacht verhindern. Dies ist der Wesensgehalt des Wehrkonzepts des Staatsbürgers in Uniform und unterscheidet unsere Wehrpflichtarmee von den vorherigen deutschen Wehrpflichtarmeen. Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht wird aus der Armee in der Mitte der Gesellschaft eine Organisation am Rande, weil sie aus dem täglichen Erleben entrückt ist. Die Armee darf aber ihren Bürgern nicht suspekt werden.
Ich sehe deshalb keine Veranlassung, die zentrale Errungenschaft der Bürgerwehrpflicht ohne Not aufzugeben. Mag sein, dass andere politische Gruppen ökonomische Gründe höher bewerten, aber für mich ist die Sicherheit der Bundesrepublik und die Verflechtung der Armee mit der Gesellschaft ein höheres Gut. Es geht letztendlich um Werte und um Bürgerengagement. Wie weit sind wir bereit, uns für die Sicherheit unseres Landes einzusetzen? Aus meiner Sicht sind der Wehr- und auch der Ersatzdienst gute Möglichkeiten, sich für dieses Land zu engagieren.
Keiner unserer alliierten Freunde, die die Wehrpflicht abgeschafft haben, konnte mir bestätigen, dass dies zu Einsparungen geführt hätte. Im Gegenteil. Alle müssen mehr Geld für Werbemaßnahmen und Verpflichtungsprämien in die Hand nehmen. Mit dem Ergebnis, dass man doch nicht die Soldaten hat, die man sich wünscht.
Ein Aussetzen der Wehrpflicht würde faktisch ihr Ende bedeuten. Die Strukturen im Reservistenwesen und in der territorialen Verteidigung würden verschwinden. Auch der Einsatz der Bundeswehr bei Naturkatastrophen fiele deutlich geringer aus oder müsste entfallen, weil keine Truppe verfügbar wäre. Diese Endgültigkeit ist vielen noch nicht bewusst.
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